{"id":2344,"date":"2021-03-01T12:50:38","date_gmt":"2021-03-01T11:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2344"},"modified":"2021-03-01T12:50:38","modified_gmt":"2021-03-01T11:50:38","slug":"weisheit-oder-resignation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/03\/01\/weisheit-oder-resignation\/","title":{"rendered":"Weisheit oder Resignation?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2346\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-300x267.jpg\" alt=\"IMG_20160126_190252\" width=\"300\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-300x267.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-1024x910.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-768x683.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-1536x1366.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20160126_190252-2048x1821.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>In einem der Werke des bekannten deutschen Indologen, Helmut von Glasenapp, findet sich folgende \u00dcberlegung:<\/p>\n<p>Der klassische brahmanische Lebenslauf des alten Indiens teilt sich in die Phasen Kindheit-Erziehung, Beruf-Familie, R\u00fcckzug aus der Welt und Wanderschaft als Sadhu. Das Ziel ist die zunehmende und schlie\u00dflich vollkommene Abkehr vom Weltlichen und dem ausschlie\u00dflichen Streben nach Gottesverwirklichung.<\/p>\n<p>In dieser letzten Phase des Lebens wird aller Besitz aufgegeben, die sinnlichen Bed\u00fcrfnisse auf ein absolutes Minimum reduziert und der Tag besteht aus Gebet und Meditation.<!--more--><\/p>\n<p>Es gibt Geschichten, dass Eremiten lange \u00dcberlegungen anstellten, auf welches Minimum sie ihren Lendenschurz reduzieren k\u00f6nnten, um nur ja nicht zu viel an weltlichem Besitz mitzuschleppen. Aber \u2013 auch wenn man wenig besitzt, ist man nicht von Habgier befreit.<\/p>\n<p>Der legend\u00e4re K\u00f6nig Janaka berief viele Weise und Rishis an seinen Hof, um mit ihnen \u00fcber die Essenz des Lebens zu disputieren. Eines Tages befand er sich in Gesellschaft einer dieser Weisen. Sie ergingen sich in den pr\u00e4chtigen G\u00e4rten. Pl\u00f6tzlich gab es gro\u00dfes Geschrei. Die Bediensteten rannten herbei und schrien, dass ein Feuer im Palast ausgebrochen sei. Der K\u00f6nig, der nat\u00fcrlich selbst ein Yogi war, blieb gelassen und verschwendete keinen Gedanken an den Verlust seines Palastes mit all seinen Kostbarkeiten, w\u00e4hrend der Weise, der sich der Armut verschrieben hatte, au\u00dfer sich geriet, weil seine geringen Habseligkeiten verbrannten.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich anmerken, dass es beim K\u00f6nig egal sei, ob einer seiner Pal\u00e4ste in Flammen aufgeht, denn er hat ja mehrere davon. Der arme Sadhu aber nennt nur ein kleines B\u00fcndel sein eigen. So kann man das aber nicht sehen, denn es geht dabei um die innere Haltung, und anhaften kann man auch an den Kleinigkeiten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Glasenapp. Er merkt an, dass die Gefahr besteht, dass man auf die Ebene von Tieren absinkt, die nur noch an die Befriedigung der rudiment\u00e4rsten Bed\u00fcrfnisse denken, bei dem Bem\u00fchen, ein Leben der absoluten Vereinfachung zu f\u00fchren. Dass das ein Dasein ohne Geistigkeit, ohne Ehrgeiz und ohne Ziele sein kann.<\/p>\n<p>Ich habe selbst bei einer Wanderung in den West-Ghats bei Bombay, bei den kleinen Tempeln, die \u00fcberall zu finden sind, Gruppen von Sadhus gesehen, die herumlungerten und in Wolken von Haschisch geh\u00fcllt waren.<\/p>\n<p>Ich hatte nicht den Eindruck, dass bei ihnen gro\u00dfe spirituelle Energie vorhanden ist. Sp\u00e4ter sind mir solche Gestalten \u00f6fter an den bekannten spirituellen Orten wie Benares und Bodhgaya begegnet. Ich hatte immer den Eindruck, dass sie alles andere au\u00dfer sie selbst nicht mehr interessiert.<\/p>\n<p>Wenn wir uns umsehen, dann gibt es vieles, \u00fcber das man sich wirklich aufregen k\u00f6nnte. Ich w\u00fcsste im Moment gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufh\u00f6ren sollte. In meinem Alter hat man schon viele Trends kommen und gehen sehen. Vieles \u00e4hnelt sich. Offensichtlich muss jede Generation die gleichen Torheiten begehen. Von den Entwicklungen im politisch-gesellschaftlichen Bereich will ich gar nicht reden.<\/p>\n<p>Yogis ziehen sich von der Welt zur\u00fcck. Ihr Ziel ist \u201enicht von dieser Welt\u201c, um es mit biblischen Worten auszudr\u00fccken. Sie betrachten die Geschehnisse als Spiel der Gunas, die ein Drama auf der Weltb\u00fchne kreieren. Der einzige Zweck dieses Geschehens besteht darin, dem Zuschauer Erfahrungen zu erm\u00f6glichen, die ihn auf seinem spirituellen Weg voranbringen.<\/p>\n<p>Die Frage, die man nie vergessen sollte, lautet: Was bedeutet das, was ich da erfahre und was die vielf\u00e4ltigsten Emotionen in mir weckt f\u00fcr mich, in diesem Moment? Was will mir das sagen? Welche Hilfe wird mir da gerade angeboten?<\/p>\n<p>Diese Herangehensweise bringt uns zu einer positiven Haltung gegen\u00fcber all dem Negativen und Unvollkommenen, wor\u00fcber wir uns st\u00e4ndig \u00e4rgern k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Das Gegenteil davon ist das dumpfe Ertragen, der Groll und der latente \u00c4rger, den wir durch ein L\u00e4cheln und lockere Spr\u00fcche wie \u201edon&#8217;t worry, be happy\u201c nur unvollkommen \u00fcbert\u00fcnchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es geht um nichts weniger als darum, ob wir inmitten der Unzul\u00e4nglichkeit des \u00e4u\u00dferen Geschehens wirklich positiv von innen heraus leben k\u00f6nnen, oder ob wir resignativ hinnehmen und letztlich ungl\u00fccklich sind.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen als einzige wirklich in unser Inneres sehen und f\u00fchlen ganz genau, ob wir aufgrund unserer philosophischen Haltung \u201eweise\u201c leben oder nur ein \u201eheiliges Grinsen\u201c im Gesicht tragen und innerlich unzufrieden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem der Werke des bekannten deutschen Indologen, Helmut von Glasenapp, findet sich folgende \u00dcberlegung: Der klassische brahmanische Lebenslauf des alten Indiens teilt sich in die Phasen Kindheit-Erziehung, Beruf-Familie, R\u00fcckzug aus der Welt und Wanderschaft als Sadhu. 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