{"id":2328,"date":"2021-02-09T13:07:14","date_gmt":"2021-02-09T12:07:14","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2328"},"modified":"2021-02-09T13:07:14","modified_gmt":"2021-02-09T12:07:14","slug":"wir-blinden-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/02\/09\/wir-blinden-teil-ii\/","title":{"rendered":"Wir Blinden, Teil II"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2330\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-300x225.jpg\" alt=\"IMG_20200124_091635\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG_20200124_091635-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Der Begriff Avidya bedeutet im Grunde das Festhalten an Dingen, Situationen, Gedanken, Gef\u00fchlen und letztlich dem Leben.<\/p>\n<p>Obwohl wir den fortw\u00e4hrenden Wandel st\u00e4ndig erfahren, versuchen wir, festzuhalten.<\/p>\n<p>Wir sind verliebt in unsere Vorstellungen und Phantasien. Es gen\u00fcgt uns nicht, einfach zu sein. Zum Beispiel, einfach spazieren zu gehen und zu genie\u00dfen, was wir sehen, h\u00f6ren oder riechen. Wir lassen unsere Gedanken schweifen, f\u00fchren angeregte Gespr\u00e4che und wenn wir uns an etwas Vergangenes erinnern, dann bei\u00dfen wir uns mit Genuss fest, bauen die Gedanken daran aus und kreieren Zust\u00e4nde von \u00c4rger oder phantasieren uns in Zukunftsideen.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eEinst tr\u00e4umte Zhuangzi, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und gl\u00fccklich f\u00fchlte und nichts wusste von Zhuangzi. Pl\u00f6tzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Zhuangzi. Nun wei\u00df ich nicht, ob Zhuangzi getr\u00e4umt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling getr\u00e4umt hat, dass er Zhuangzi sei, obwohl doch zwischen Zhuangzi und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.\u201c<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche \u00dcberlegung finden wir in der Mandukya Upanishad. Wenn wir im Wachbewusstsein sind, halten wir unsere Tr\u00e4ume f\u00fcr irreal. Dabei haben wir sie im Traumzustand als vollkommen real erlebt \u2013 in unserem Traumbewusstsein. Wir sind \u00fcberzeugt, dass nur der Wachzustand real ist.<br \/>\nWir vergessen, dass ein Bewusstsein nicht \u00fcber das andere urteilen kann.<\/p>\n<p>Was lehrt uns das? Alles ist relativ! Wichtiger noch ist, wie gehen wir damit um? Wir erkennen an diesen Beispielen, dass die Dinge von unterschiedlichen Standpunkten oder auch Bewusstseinszust\u00e4nden in verschiedenem Licht erscheinen. Hat jetzt der Schmetterling recht, oder der wieder erwachte Zhuangzi? Wobei wir ja erfahren haben, dass gar nicht sicher ist, welcher Zustand der wache ist.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung ist, dass wir aufh\u00f6ren, zu beurteilen. So, wie der Schmetterling im \u201eSchmetterlingszustand\u201c real ist, so ist jede Erfahrung real, zumindest innerhalb der Welt der Dinge.<\/p>\n<p>Die einfachste und zutreffendste Definition von Yoga lautet: Yoga ist Konzentration. Uns muss bewusst sein, dass wir sehr, sehr selten klar wahrnehmen, was ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Behauptung k\u00f6nnen wir beliebig viele Beispiele finden. Angenommen, wir fahren nach Indien. Dann erwarten wir, dass wir erleben, was wir in Filmen und Geschichten erfahren haben. Durch diese Erwartungen sind die Eindr\u00fccke, die wir dann haben, getr\u00fcbt und wir erkennen nicht die \u201eSch\u00e4tze\u201c, die sich in anderer Art darbieten.<\/p>\n<p>Der indische Yogi und Gelehrte Swami Hariharananda Aranya schreibt in seinem Kommentar zu Patanjalis Yogasutren zu Sutra II\/30 zum Thema Wahrheit (Satya): \u201eEs ist das Bem\u00fchen, das Denken und das, was man ausspricht, in Einklang mit dem korrekt Wahrgenommenem zu bringen.\u201c<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, dass die Wahrnehmung vollkommen ungetr\u00fcbt von Vorstellungen, Phantasien, Erwartungen und Gef\u00fchlen sein muss. Erst dann ist es m\u00f6glich, wirklich zu \u201esehen\u201c, was ist und es dann auch auszusprechen.<\/p>\n<p>Nach dieser Definition reden wir samt und sonders am laufenden Band die Unwahrheit. Unser Denken ist selten klar und unvoreingenommen konzentriert.<\/p>\n<p>Die meisten von uns kennen das Kinderspiel \u201eFl\u00fcsterpost\u201c. Alle stehen in einer Reihe und es wird ein Satz durchgegeben. Zum Schluss lachen sich alle schief, was dabei herauskommt.<\/p>\n<p>Was n\u00fctzen uns all diese \u00dcberlegungen nun? Sie k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass unser Leben mehr auf der Sonnenseite verl\u00e4uft und weniger im Schatten. Wir wissen nicht, was hinter einer Situation steckt. Wir k\u00f6nnen sie nicht in ihrer Totalit\u00e4t erkennen. Es sind so viele Faktoren involviert, dass wir immer gezwungen sind, uns ein Segment herauszupicken. Das beurteilen wir und in vielen F\u00e4llen \u00e4rgern wir uns dann.<\/p>\n<p>Wir leben gegenw\u00e4rtig in Coronazeiten. Wir sind quasi ruhig gestellt. N\u00fctzen wir die Zeit dieser Verlangsamung daf\u00fcr, etwas konzentrierter nach innen und au\u00dfen wahrzunehmen &#8211; unmittelbarer und damit realer. Wir k\u00f6nnen zum Beispiel einen Baum ansehen und uns bem\u00fchen, ihn nicht mit einem anderen zu vergleichen, den wir einmal im Gebirge gesehen haben. Wenn wir das tun, erkennen wir ihn nicht, sondern sehen etwas, was nicht real ist.<\/p>\n<p>Das Resultat ist, dass wieder ein Moment des Lebens nicht gelebt wird, denn wir sind \u201enicht da\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Avidya bedeutet im Grunde das Festhalten an Dingen, Situationen, Gedanken, Gef\u00fchlen und letztlich dem Leben. Obwohl wir den fortw\u00e4hrenden Wandel st\u00e4ndig erfahren, versuchen wir, festzuhalten. Wir sind verliebt in unsere Vorstellungen und Phantasien. Es gen\u00fcgt uns nicht, einfach zu sein. 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