{"id":2322,"date":"2021-02-03T19:27:00","date_gmt":"2021-02-03T18:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2322"},"modified":"2021-02-03T19:27:00","modified_gmt":"2021-02-03T18:27:00","slug":"wir-blinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/02\/03\/wir-blinden\/","title":{"rendered":"Wir Blinden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2324\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-300x225.jpg\" alt=\"P1040624\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/P1040624-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>So um 350 vor Christus lebte in China ein Weiser namens Zhuangzi. Ein ber\u00fchmtes, in Teilen von ihm verfasstes Werk, hei\u00dft genauso.<\/p>\n<p>In der Er\u00f6ffnungsgeschichte geht es um die beiden V\u00f6gel Rokh und Wachtel. Der Vogel Rokh fliegt h\u00f6her, ist aber trotzdem an die dingliche Welt, also die Welt der Sinneswahrnehmung, gebunden. Die Wachtel, als Synonym f\u00fcr die Wahrnehmung des durchschnittlichen Menschen, fliegt wesentlich tiefer. Beider Horizont ist bedingt. Beider Wissen st\u00fctzt sich auf Sinneswahrnehmung, wobei sich der Vogel Rokh durch Anstrengung und Disziplin weiter in die L\u00fcfte erhebt.<!--more--><\/p>\n<p>Wie alle Weisen favorisiert Meister Zhuang Erkenntnis, die nicht mehr der Relativit\u00e4t des Dinglichen unterworfen ist.<\/p>\n<p>Wir wir wissen, ist sie stetem Wandel unterworfen, was in dem folgenden Beispiel sehr sch\u00f6n dargestellt ist:<\/p>\n<p>\u201eDie R\u00e4nder des Schattens fragten den Schatten und sprachen: \u00bbBald bist du geb\u00fcckt, bald bist du aufrecht; bald bist du zerzaust, bald bist du gek\u00e4mmt; bald sitzest du, bald stehst du auf; bald l\u00e4ufst du, bald bleibst du stehen. Wie geht das zu?\u00ab Der Schatten sprach: \u00bbAlterchen, Alterchen, wie fragt Ihr oberfl\u00e4chlich! Ich bin, aber wei\u00df nicht, warum ich bin. Ich bin wie die leere Schale der Zikade, wie die abgestreifte Haut der Schlange. Ich sehe aus wie etwas, aber ich bin es nicht. Im Feuerschein und bei Tag bin ich kr\u00e4ftig. An sonnenlosen Orten und bei Nacht verblasse ich. Von dem andern da (dem K\u00f6rper) bin ich abh\u00e4ngig, ebenso wie der wieder von einem andern abh\u00e4ngt. Kommt er, so komme ich mit ihm. Geht er, so gehe ich mit ihm. Ist er stark und kraftvoll, so bin ich mit ihm stark und kraftvoll. Bin ich stark und kraftvoll, was brauche ich dann noch zu fragen?\u201c<\/p>\n<p>Im Kapitel 1 Vers 6 in Patanjalis Yogasutren sind f\u00fcnf Arten von Geisteszust\u00e4nden erw\u00e4hnt. Es sind dies: Korrektes Wissen, Irrtum, Einbildung, Schlaf und Erinnerung.<\/p>\n<p>Der Mensch h\u00e4lt sich viel zugute auf seine Rationalit\u00e4t, die ihn in die Lage versetzt, die Wahrheit zu erkennen.<\/p>\n<p>Als \u201eBeweis\u201c sei hier das ber\u00fchmte \u201eHammerbeispiel\u201c von Paul Watzlawik erw\u00e4hnt: Ein Mensch m\u00f6chte einen Nagel einschlagen, um ein Bild aufzuh\u00e4ngen. Zu diesem Behufe ben\u00f6tigt er einen Hammer, den er nicht besitzt. Er beschlie\u00dft, seinen Nachbarn zu fragen. W\u00e4hrend er diesen aufsucht, fallen ihm einige Verhaltensmomente aus neuerer Zeit ein, die er beim Nachbarn glaubt, wahrgenommen zu haben. Einmal ist er an ihm vorbeigelaufen, ohne zu gr\u00fc\u00dfen. Ein andermal hat er seltsam geschaut, usw. Unser Mensch wird durch diese Erinnerungen recht \u00e4rgerlich und schreit den Nachbarn an, nachdem er endlich an dessen Haust\u00fcr angelangt war: \u201eUnd damit Sie&#8217;s wissen, Ihren Hammer brauche ich auch nicht!\u201c<\/p>\n<p>Glauben wir ja nicht, dass uns das nie passiert. Es passiert oft! Unser Bild von den Anderen und unserer Umwelt \u00e4ndert sich im Minutentakt. Im Yoga kennen wir den Begriff \u201eSamskaras\u201c. Das sind unz\u00e4hlige Eindr\u00fccke, die in der \u201eChitta\u201c, dem Denken gespeichert sind. Diese Samskaras sind latent. Das hei\u00dft, sie sind, so alt sie auch sind, jederzeit abrufbar, sobald unsere Sinne einen entsprechenden Anreiz liefern. Wir vergleichen st\u00e4ndig. Wir nehmen zum Beispiel einen Menschen wahr und sofort kommen Gef\u00fchle und Gedanken an vergangene Kontakte und Situationen, die wir erlebt haben. In diesem Licht erscheint uns der Mensch, den wir vor uns haben. Unsere Stimmung und damit Wahrnehmung \u00e4ndert sich von einem auf den anderen Moment. Unsere Urteile und Einsch\u00e4tzungen sind eingef\u00e4rbt und basieren nicht auf \u201ekorrektem Wissen\u201c.<\/p>\n<p>Wir kennen im Yoga den Begriff \u201eAvidya\u201c. Das bedeutet, etwas nicht Dauerhaftes als dauerhaft und vice versa zu betrachten.<\/p>\n<p>Meister Zhuang bringt das in dem Beispiel vom Schatten sehr sch\u00f6n zum Ausdruck. Er ist da, aber nie gleich. Er ist immer abh\u00e4ngig von Anderem.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So um 350 vor Christus lebte in China ein Weiser namens Zhuangzi. Ein ber\u00fchmtes, in Teilen von ihm verfasstes Werk, hei\u00dft genauso. In der Er\u00f6ffnungsgeschichte geht es um die beiden V\u00f6gel Rokh und Wachtel. Der Vogel Rokh fliegt h\u00f6her, ist aber trotzdem an die dingliche Welt, also die Welt der Sinneswahrnehmung, gebunden. 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