{"id":2252,"date":"2020-11-29T18:42:23","date_gmt":"2020-11-29T17:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2252"},"modified":"2020-11-29T18:46:31","modified_gmt":"2020-11-29T17:46:31","slug":"reise-in-den-mikrokosmos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2020\/11\/29\/reise-in-den-mikrokosmos\/","title":{"rendered":"Reise in den Mikrokosmos"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2254\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-300x193.jpg\" alt=\"Indien4-26\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-300x193.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-1024x660.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-768x495.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-1536x990.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Indien4-26-2048x1320.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Man schreibt das Jahr 1980. Nach drei Monaten im Yoga-Institute bin ich f\u00fcnfhundert Kilometer nach S\u00fcden ins Hippie-Paradies Goa geflogen. Drei Monate Askese, kl\u00f6sterliche Einschr\u00e4nkung und anstrengende Studien liegen hinter mir und bevor ich zur\u00fcck nach Deutschland fliege, will ich eine Woche Sonne, Meer und Palmen genie\u00dfen. Vom Flugplatz fahre ich nach Panjim und von dort mit dem Taxi nach Calangute.<!--more--><\/p>\n<p>Damals gab es dort noch keine Hotels au\u00dfer einem gro\u00dfen gr\u00fcnen Kasten, der sich stolz Government-Tourist-Resort nannte und das einzige Restaurant des Ortes beherbergte. Das Taxi hielt auf dem Dorfplatz mit den ganzen Chai-Houses und ich versp\u00fcrte Durst auf einen Tee. Ich betrat eine der H\u00fctten und fand mich in wabernden Haschischwolken wieder. Aus den Boxen wummerte \u201eKeep on rocking me baby\u201c von der Steve Miller Band. Im Raum befand sich ein<\/p>\n<p>buntes V\u00f6lkchen in fantasievollen Klamotten, wie auch der ganze Ort von ihnen gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p>Als ich nach einer Viertelstunde das Lokal verlie\u00df, war ich high, einfach nur vom Dasitzen.<\/p>\n<p>Damals konnte man kilometerweit die Str\u00e4nde ablaufen, ohne eine Menschenseele zu treffen. Die Rave-Parties am Anjuna-Beach lagen noch im Nebel der Zukunft. Morgens und Abends half der ganze Ort, die schweren Fischerboote, an denen man keinen einzigen Nagel finden konnte, an Land zu ziehen. Wenn nach den grandiosen Sonnenunterg\u00e4ngen der Tag zu Ende gegangen war, und die Dunkelheit die Palmen verschluckte, war Ruhe, au\u00dfer in ein paar Haschischh\u00fctten, in denen man flei\u00dfig \u201ean der Bewusstseinserweiterung\u201c arbeitete.<\/p>\n<p>Ich mietete f\u00fcr ein paar Rupien eine H\u00fctte in den Kokospalmenhainen. \u00dcberall liefen die struppigen Schweine herum und sorgten f\u00fcr Hygiene, indem sie die Hinterlassenschaften aus den im Freien stehenden Plumpsklos schmatzend beseitigten.<\/p>\n<p>In einer Nachbarh\u00fctte hatten sich ein paar Leutchen aus Frankfurt einquartiert. Sie standen sp\u00e4t auf und es herrschte st\u00e4ndige Betriebsamkeit. Man fuhr auf geliehenen Enfield-Motorr\u00e4dern hin und her und war st\u00e4ndig gesch\u00e4ftig. H\u00e4ufig wurde gestritten. Von Ruhe oder gar einem Genie\u00dfen dieses Paradieses keine Spur.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich h\u00e4ttet ihr auch in Frankfurt bleiben k\u00f6nnen\u201c, dachte ich mir \u00f6fters. Ich wei\u00df nicht, wie viel diese Leute von der in Indien einzigartigen kulturellen Mischung aus Hinduelementen und Katholizismus mitbekamen. Sie erschienen mir fast ausschlie\u00dflich mit sich selbst und ihren Streitereien besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Man kann bis ans Ende der Welt reisen, aber sich selbst hat man immer dabei. Die innere Unausgeglichenheit und die Konflikte bleiben nicht zuhause. Sie bestimmen auch in der Ferne das Bewusstsein. Wenn das Innere nicht bereit ist, kann das Au\u00dfen noch so farbig sein, es wird keinen Eingang finden. Das, was man sich von der Reise ersehnt, bleibt ein Traum.<\/p>\n<p>Im Umkehrschluss kann man auch zuhause viel erleben, wenn man innerlich ausgeglichen ist.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig zwingt uns Corona zum Zuhause bleiben. Au\u00dfer Klagen dar\u00fcber ist nicht viel zu h\u00f6ren. Alle sehnen das Ende der Pandemie herbei, um wieder da zu beginnen, wo sie aufgeh\u00f6rt haben. Besonders die Jugend leide darunter, denn alle Discos und sonstigen Treffpunkte befinden sich im Lockdown. In der NZZ \u00e4u\u00dfert sich heute der Freizeitforscher Horst W. Oppaschowski, dass durch die fehlenden Reisem\u00f6glichkeiten die Gefahr von Depressionen und Aggressivit\u00e4tsausbr\u00fcchen bestehe. Der Kontakt zu anderen Kulturen sei unterbrochen und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander sei gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Seien wir ehrlich, die meisten von uns tappen mehr oder weniger blind durch die Welt, in die es sie aus welchen Gr\u00fcnden auch immer hinauszieht. Seit Gerhard Polt kennen wir den Schweinshaxe essenden Deutschen an italienischen Str\u00e4nden.<\/p>\n<p>Der Yogi sieht den Makrokosmos im Mikrokosmos. Jedes Ereignis hat seinen Sinn, so auch die Pandemie. Ich spreche hier nicht von den Kategorien Positiv oder Negativ. Die Situation ist, wie sie ist. Es ist an uns, den individuellen Sinn, der darin liegt, herauszufinden.<\/p>\n<p>Wir Menschen sind selten freiwillig bereit zur Entschleunigung. Jetzt werden wir dazu gezwungen. Der Weise klagt nicht, sondern sucht die Chance, die in jeder, also auch in dieser Situation liegt. Gegenw\u00e4rtig k\u00f6nnen wir uns nicht in der Weite verlieren. Wenn wir uns in der ganz allt\u00e4glichen Gegenwart \u00f6ffnen, k\u00f6nnen wir die ganze Welt erfahren. Es ist ja nicht das \u00c4u\u00dfere, die Berge, das Meer usw., was am intensivsten in uns klingt. Es sind die Gef\u00fchle und Impressionen, die dadurch erweckt werden.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit der Welt, die uns die Brust weitet und das Gem\u00fct erhellt, wird uns gegenw\u00e4rtig auf dem Silbertablett in unserer sogenannten Allt\u00e4glichkeit serviert.<\/p>\n<p>Greifen wir zu!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man schreibt das Jahr 1980. Nach drei Monaten im Yoga-Institute bin ich f\u00fcnfhundert Kilometer nach S\u00fcden ins Hippie-Paradies Goa geflogen. Drei Monate Askese, kl\u00f6sterliche Einschr\u00e4nkung und anstrengende Studien liegen hinter mir und bevor ich zur\u00fcck nach Deutschland fliege, will ich eine Woche Sonne, Meer und Palmen genie\u00dfen. 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