{"id":2119,"date":"2020-08-11T19:12:57","date_gmt":"2020-08-11T17:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2119"},"modified":"2020-08-11T19:12:57","modified_gmt":"2020-08-11T17:12:57","slug":"die-schattenseiten-der-gita-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2020\/08\/11\/die-schattenseiten-der-gita-teil-2\/","title":{"rendered":"Die Schattenseiten der Gita Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2121\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-300x225.jpg\" alt=\"P1020201\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/P1020201-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u201eNachdem ein Krieg nun also unvermeidlich war, sammelten sich die zwei Heere auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra. Krishna war der Fahrer des Streitwagens von Arjuna, dem f\u00e4higsten K\u00e4mpfer und damit auch Heerf\u00fchrer der Pandavabr\u00fcder. Es muss ein gewaltiges Bild gewesen sein, als sich die beiden Heere mit Tausenden von Elefanten und Streitwagen gegen\u00fcberstanden. Es war damals noch nicht \u00fcblich, den Krieg \u00fcberfallartig zu beginnen. Zwischen den Heerf\u00fchrern wurden genaue Regeln vereinbart. So durften nur Gleichausger\u00fcstete gegeneinander k\u00e4mpfen. Bei Sonnenuntergang wurde die Schlacht bis zum n\u00e4chsten Morgen unterbrochen. Um sich einen \u00dcberblick zu verschaffen, bat Arjuna Krishna, ihn in das Niemandsland zwischen den beiden Heeren zu fahren. Und damit kommen wir zum Kern des Geschehens.<!--more--><\/p>\n<p>Als Arjuna n\u00e4mlich die gegnerischen Reihen musterte, sah er viele Freunde aus seiner Kindheit und Jugend. Er sah nahe Verwandte. Er sah seinen verehrten Lehrer, der ihm die Waffentechniken beigebracht hatte. Als er dies alles wahrnahm, beherrschte ihn nur noch ein Gef\u00fchl: n\u00e4mlich, dass es ihm unm\u00f6glich war, gegen diese ihm nahestehenden Menschen zu k\u00e4mpfen und sie wom\u00f6glich zu t\u00f6ten. Es \u00fcberkam ihn eine Schw\u00e4che, und er wollte nur noch weg. Er war bereit, auf den Sieg und die K\u00f6nigsw\u00fcrde zu verzichten.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns die Situation in ihrer ganzen Dramatik vor Augen f\u00fchren. Arjuna geh\u00f6rte der Kriegerkaste an. Vergleichbar mit unseren Rittern, geh\u00f6rte es zu den Aufgaben der Ksatrias (Krieger), f\u00fcr Recht und Sicherheit zu sorgen, die Schwachen zu besch\u00fctzen und die Staatsstruktur zu erhalten. In eine Kaste wird man kraft Karma hineingeboren. Es war damals v\u00f6llig undenkbar, in eine andere Position zu wechseln. F\u00fcr einen Krieger war auch das T\u00f6ten nichts Ehrenr\u00fchriges. Es geh\u00f6rte zu seiner Stellung wie zu einem Brahmanen das Zelebrieren eines Opferritus. Hinzu kommt seine Position. Er war F\u00fchrer \u00fcber Zehntausende von Kriegern. Zudem waren zur Unterst\u00fctzung der Br\u00fcder befreundete K\u00f6nige mit ihren Truppen herbeigeeilt und hatten sich unter seinen Befehl gestellt. Sie alle standen in gespannter Erwartung, als ihr F\u00fchrer nun vor die Linie fuhr. Auch die gegnerische Armee richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn, denn es war ja f\u00fcr sie wichtig, seine Entscheidungen vorauszuahnen.<\/p>\n<p>Wir haben hier eine bewusst extrem gew\u00e4hlte Situation, in der ein Mensch mit widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchlen unter einem ungeheuren Druck steht. Arjuna sieht f\u00fcr sich nur die M\u00f6glichkeit, sich vollkommen aus allen Verpflichtungen zur\u00fcckzuziehen. Die Folgen w\u00e4ren Unverst\u00e4ndnis und Verwirrung von unabsehbarem Ausma\u00df. Die Verb\u00fcndeten k\u00f6nnten mit Unverst\u00e4ndnis und Ver\u00e4rgerung reagieren und eventuell zum Feind \u00fcberlaufen. Die Strukturen des ganzen Staates k\u00f6nnten zusammenbrechen. Bis in die Neuzeit hinein waren die K\u00f6nige ja \u00fcberzeugt, von Gott eingesetzt zu sein. Das hei\u00dft, dass die Gesellschaft hierarchisch strukturiert war. Wenn also der oberste Repr\u00e4sentant seinen Posten verl\u00e4sst, was sollte seine Untertanen hindern, das Gleiche zu tun?\u201c(Aus \u201eDas Yogalehrbuch\u201c, G.Pflug, Schirner Verlag)<\/p>\n<p>In dieser Konfliktsituation beginnt Krishna mit der Unterweisung, die wir als Bhagavad Gita kennen. Ich m\u00f6chte hier jetzt nicht in die Breite gehen, sondern nur den Aspekt, der zwischen Karma und Dharma besteht, aufzeigen.<\/p>\n<p>Krishna erkl\u00e4rt dem verzweifelten Arjuna, dass es zu den Pflichten seiner Kaste geh\u00f6rt, zu k\u00e4mpfen, was unvermeidlich mit T\u00f6ten verbunden ist. Wenn er dieses Dharma nicht erf\u00fclle, entstehe Chaos und Leid, denn er sei der Anf\u00fchrer. Wenn er seinen Pflichten nicht nachkomme, das hei\u00dft, sein Dharma verlasse, w\u00fcrde sich das nach unten fortsetzen, und die Gesellschaftsordnung w\u00fcrde zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Dharma wird etwas ungen\u00fcgend mit Pflicht \u00fcbersetzt. Besser ausgedr\u00fcckt bedeutet es, dass ein Mensch in ein Leben hineingeboren wird und es bis ins Kleinste erf\u00fcllen muss. Dann, so hei\u00dft es, habe er sein Dharma erf\u00fcllt und k\u00f6nne zur n\u00e4chsten Stufe aufsteigen.<\/p>\n<p>Wie typisch indisch dieses Denken ist, mag folgendes Beispiel, das ich im Yogainstitut mitbekommen habe, zeigen.<\/p>\n<p>Einer der Besucher fragte, wie er sich denn als Kaufmann gem\u00e4\u00df seinem Dharma zu verhalten habe, wenn es darum gehe, m\u00f6glichst gute Abschl\u00fcsse zu t\u00e4tigen, selbst wenn er dabei, sagen wir mal, die Wahrheit mehr oder weniger verbiegen m\u00fcsse?<\/p>\n<p>Obwohl wir im Yoga in den Yamas, der ersten Stufe des achtfachen Pfades, das Gebot Satya gleich Wahrheit haben, erhielt er die folgende Antwort: Da er in die Kaste der Kaufleute hineingeboren sei, habe er auch die Verpflichtung, erfolgreich zu sein. So sei es legitim, bei Verhandlungen die Wahrheit zu seinem Vorteil auszulegen, um Gewinn zu machen. Dies sei auch eine Verpflichtung seiner Familie gegen\u00fcber, f\u00fcr die er so gut wie m\u00f6glich zu sorgen habe. Schlie\u00dflich sei es nicht billig, Kinder aufs College zu schicken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich passiert bei uns im Westen \u00c4hnliches, aber es gilt nicht als ehrbar. Das ist der Unterschied.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb seines Kaufmann- Dharmas mag dieser Mensch eine hohe Ethik haben.<\/p>\n<p>Die fatalen Folgen dieses Denkens kennen alle, die in Indien waren. Man wird betrogen, auf Schritt und Tritt. Es ist ein st\u00e4ndiger Kampf, das \u00dcbervorteiltwerden wenigstens einigerma\u00dfen gering zu halten. Dies beginnt, wenn man die Ankunftshalle des Flughafens verlassen hat und der Meute der Taxifahrer ausgeliefert ist und endet erst, wenn man wieder im Flugzeug sitzt.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Korruption ist hoch und das Land leidet darunter. Selbst Reformen k\u00f6nnen m.E. wenig \u00e4ndern, solange dieses von der Religion hergeleitete Denken existiert.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNachdem ein Krieg nun also unvermeidlich war, sammelten sich die zwei Heere auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra. Krishna war der Fahrer des Streitwagens von Arjuna, dem f\u00e4higsten K\u00e4mpfer und damit auch Heerf\u00fchrer der Pandavabr\u00fcder. Es muss ein gewaltiges Bild gewesen sein, als sich die beiden Heere mit Tausenden von Elefanten und Streitwagen gegen\u00fcberstanden. 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