{"id":2003,"date":"2020-04-25T10:27:59","date_gmt":"2020-04-25T08:27:59","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2003"},"modified":"2020-04-25T10:27:59","modified_gmt":"2020-04-25T08:27:59","slug":"schein-und-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2020\/04\/25\/schein-und-wirklichkeit\/","title":{"rendered":"Schein und Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2005\" aria-describedby=\"caption-attachment-2005\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2005\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-300x225.jpg\" alt=\"edf\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20180227_192318-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2005\" class=\"wp-caption-text\">edf<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer der gro\u00dfen indischen Heiligen der vergangenen Jahrhunderte war unsterblich verliebt in eine sch\u00f6ne Frau. Sie lebte auf der anderen Seite eines Flusses. Er verzehrte sich Tag und Nacht nach ihr und konnte sich oft nicht auf seine Arbeit konzentrieren. Er schrieb n\u00e4mlich an einem Epos zu Ehren Gottes.<!--more--><\/p>\n<p>Eines Nachts sa\u00df er bei flackerndem Kerzenlicht in seinem Haus und versuchte, sich zu sammeln. Drau\u00dfen tobte ein Sturm, der den Fluss zu rei\u00dfender Str\u00f6mung anschwellen lie\u00df. Es \u00fcberkam ihn so eine Sehnsucht nach seiner Geliebten, dass er alle Vorsicht verga\u00df und sich in den Fluss st\u00fcrzte, um zu ihr zu gelangen. Halb ertrunken taumelte er in ihr Gemach, in dem sie in tiefem Schlummer lag. Sie war erschrocken und konsterniert, als sie ihn in diesem Zustand vor sich sah. Sie war eine spirituelle Frau und sah es als ihre Aufgabe an, dem Geliebten bei seiner dichterischen Arbeit zur Seite zu stehen. Ihr war klar, dass er darin versagen w\u00fcrde, solange er in dieser selbstzerst\u00f6rerischen Leidenschaft zu ihr befangen war.<\/p>\n<p>Am Morgen f\u00fchrte sie ihn zu der Statue einer G\u00f6ttin, der die Dorfbev\u00f6lkerung t\u00e4glich opferte. Sie war wundersch\u00f6n, der Inbegriff der Weiblichkeit. Die Opfergaben wurden ihr durch die Mund\u00f6ffnung dargebracht.<\/p>\n<p>Die Geliebte geleitete den Dichter zur Hinterseite der sch\u00f6nen Figur und da sah er allerlei Gew\u00fcrm und Maden, die sich \u00fcber die t\u00e4glichen Opfergaben hermachten.<\/p>\n<p>Sie schalt ihren Verehrer, dass er sich so sehr von ihrer Sch\u00f6nheit blenden lie\u00df, dass er ohne Z\u00f6gern seine Arbeit verlie\u00df und sein Leben f\u00fcr \u00e4u\u00dferen Schein aufs Spiel setzte. Hinter all der Sch\u00f6nheit stehe schon der Verfall.<\/p>\n<p>Dieser Moment war entscheidend f\u00fcr sein weiteres Leben, das er hinfort zum Lob und Preis der einzig wahren Realit\u00e4t verwendete.<\/p>\n<p>Wir Menschen machen diesen Fehler immer wieder, dass wir Unwichtiges f\u00fcr wichtig ansehen und uns vom Schein blenden lassen.<\/p>\n<p>Andererseits sind wir auf die Sch\u00f6nheit, die wir in der Welt sehen, angewiesen, um die G\u00f6ttlichkeit des Seins zu erkennen. Denken wir nur an den Sternenhimmel, den Anblick der Wellen, wie sie sich am Strand brechen oder einen Sonnenaufgang. Solche Bilder erheben uns \u00fcber uns selbst.<\/p>\n<p>Gott auch im H\u00e4sslichen zu sehen f\u00e4llt uns schwer. Hier ein kleines Beispiel daf\u00fcr, das von Hansa Yogendra, der Direktorin des Yogainstituts in Bombay erz\u00e4hlt wird: \u201e Ein stinkender Haufen Schei\u00dfe sagt vorwurfsvoll zu seinem Erzeuger: Du brauchst gar nicht so die Nase \u00fcber mich zu r\u00fcmpfen, gestern Abend war ich noch die k\u00f6stliche Pastete, die du genossen hast. Da warst du ganz begeistert \u00fcber mich. Also was??\u201c<\/p>\n<p>Im Moment leidet die ganze Welt an dem Virus und langsam wird deutlich, dass die Auswirkungen, vor allem die wirtschaftlichen, uns noch gewaltige Probleme bereiten werden. Es verschwinden wahrscheinlich Hunderttausende von Arbeitspl\u00e4tzen, weil die Unternehmen pleite gehen. Deutschland hat sich in den letzten Jahren mit Genuss daran gemacht, das R\u00fcckrat seiner wirtschaftlichen St\u00e4rke, die Autoindustrie, zu demontieren. Jetzt, wo sich die Folgen in den Aktienkursen immer deutlicher zeigen und wo allenthalben Kurzarbeit und Entlassungen anstehen, wacht man langsam auf. So f\u00e4ngt man zum Beispiel wieder an, den b\u00f6sen Diesel zu loben, nachdem man ihn weiter entwickelt hat und er nun nur noch minimalen Stickoxidaussto\u00df hat.<\/p>\n<p>Gestern kam ich an einer Tankstelle in der N\u00e4he der Autobahn vorbei, die immerhin f\u00fcnf Elektrozapfs\u00e4ulen hatte. An einer normalen Tankstelle tanken pro Tag einige tausend Autos. Was folgt daraus f\u00fcr den Elektrohype? Man wird wieder merken, dass der Strom eben nicht einfach millionenfach aus der Steckdose kommt, sondern von Kraftwerken hergestellt werden muss. Elektroautos pusten zwar unmittelbar keine Auspuffgase aus, aber mittelbar.<\/p>\n<p>Wir lassen uns auch hier blenden.<\/p>\n<p>An der Spitze der Weltaktienindizes stehen gegenw\u00e4rtig Amazon, Facebook, Google und WhatsApp. Wir lesen, dass die alten Industrien im Niedergang begriffen sind. Das sind die, die reale Dinge herstellen. Zum Beispiel Kocht\u00f6pfe, Fahrradventile, Stahlbleche, Bleistifte und Gartenpumpen. Alles von gestern, die Zukunft ist digital, hei\u00dft es. Dann lasst uns mal einen Blumentopf digital herstellen.<\/p>\n<p>Der 25. Oktober 1929 war der Schwarze Freitag, der Tag, an dem die New Yorker B\u00f6rse ins Bodenlose st\u00fcrzte. Was war passiert? Aktienkurse, die man in irrationale H\u00f6hen gezockt hatte, die aber durch keine realen Werte gedeckt waren, entpuppten sich als das, was sie waren, n\u00e4mlich wertloses Papier.<\/p>\n<p>Was ist Amazon? Nichts anderes als ein gro\u00df gewordener Kr\u00e4mer!<\/p>\n<p>Wenn nichts mehr durch die sogenannten alten Industrien hergestellt wird, dann hat der Kr\u00e4mer auch nichts mehr zu verkaufen.<\/p>\n<p>Was ist Facebook? Eine Plattform, auf der Millionen ihre Plattit\u00fcden austauschen. Nichts von Substanz!<\/p>\n<p>Was ist Google? Ein Nachschlagewerk, dessen man sich bedient, um herauszufinden, wo es die billigsten Zahnb\u00fcrsten gibt.<\/p>\n<p>Wir lassen uns immer wieder von Talmi blenden.<\/p>\n<p>Der Yogi sieht nicht nur den Blumentopf, sondern auch den Ton, der daf\u00fcr gebraucht wurde und die Scherben, wenn er wieder zerbrochen ist und in seinen Anfangszustand zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der gro\u00dfen indischen Heiligen der vergangenen Jahrhunderte war unsterblich verliebt in eine sch\u00f6ne Frau. Sie lebte auf der anderen Seite eines Flusses. 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