{"id":1997,"date":"2020-04-20T11:24:06","date_gmt":"2020-04-20T09:24:06","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1997"},"modified":"2020-04-20T11:24:06","modified_gmt":"2020-04-20T09:24:06","slug":"immer-wieder-suende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2020\/04\/20\/immer-wieder-suende\/","title":{"rendered":"Immer wieder S\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1675\" aria-describedby=\"caption-attachment-1675\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1675\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-225x300.jpg\" alt=\"Digital StillCamera\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1675\" class=\"wp-caption-text\">Digital StillCamera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Osterfest, das wichtigste Fest der christlichen Religion, ist vorbei. Wir haben leere Kirchen erlebt. Manche sa\u00dfen vor ihren Computern und haben mitgebetet und die Liturgie mitgesungen. Alles war anders und doch tauchen bei mir immer wieder dieselben Fragen auf, wie jedes Jahr.<\/p>\n<p>Einerseits wird von der \u201eFrohen Botschaft der Auferstehung\u201c gesprochen und im selben Augenblick taucht das Wort S\u00fcnde auf. Jesus, hei\u00dft es, sei als Mensch auf die Welt gesandt worden, um zu sterben und die Menschen von ihrer S\u00fcnde zu befreien.<\/p>\n<p>Spontan m\u00f6chte man rufen: \u201eNein, tu das nicht, wegen mir brauchst du nicht zu leiden!\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Die Frage stellt sich, welches Bild vom Menschen dahinter steckt? Was und wer sind wir?<\/p>\n<p>Auf der Webseite \u201eEvangelischer Glaube-Onlinedogmatik\u201c lesen wir:<\/p>\n<p>\u201e ..was will das Wort \u201eErbs\u00fcnde\u201c dann besagen? Ich denke, es ist ein ungl\u00fccklich gew\u00e4hlter Ausdruck f\u00fcr die wichtige und notwendige Erkenntnis, dass S\u00fcnde nicht blo\u00df im individuellen Versagen des Einzelnen besteht, sondern in einem alle und alles \u00fcbergreifenden Verh\u00e4ngnis, dem keiner entrinnt. Denn diesen oder jenen Fehltritt kann man vermeiden. Aber ein S\u00fcnder zu sein \u2013 das kann keiner vermeiden! Konkrete Tats\u00fcnden sind Einzelereignisse. Doch dass wir S\u00fcnder sind, ist ein Dauerzustand. Und der kommt uns nur deshalb \u201enormal\u201c vor, weil wir nie anders waren. Schon als wir auf die Welt kamen, und jeder uns unschuldig und niedlich fand, hatte S\u00fcnde uns auf verborgene Weise im Griff. Und so wie diese Welt beschaffen ist, entrinnen wir ihr auch nie. Denn S\u00fcnde beschr\u00e4nkt sich nicht auf punktuelle Fehltritte, die man \u00fcberspielen k\u00f6nnte, sondern sie ist ein permanenter Gestank, der uns immer und \u00fcberall anhaftet. Diesen Geruch loszuwerden ist unm\u00f6glich, weil er von innen kommt. Und das hei\u00dft: Es geht bei diesem Thema nicht um moralische Schw\u00e4cheanf\u00e4lle, die vor\u00fcbergehen, sondern um einen permanenten Schaden, der uns tief in den Knochen steckt. Unser Leben in der gefallenen Sch\u00f6pfung ist so beschaffen, dass sich das S\u00fcndigen darin gar nicht vermeiden l\u00e4sst. Genauso gut k\u00f6nnte man ins Meer springen und dabei hoffen trocken zu bleiben!\u201c<\/p>\n<p>Es haftet uns also \u201eein permanenter Gestank\u201c an. \u00dcbersetzt hei\u00dft das, dass wir im Grunde schlecht sind. Es ist ein negatives Bild vom Menschen, das da gezeichnet wird. Es ist bekannt, dass ein negativer Gedanke, ein negatives Bild auch negatives Verhalten ergibt.<\/p>\n<p>In der Humanistischen Psychologie bem\u00fchen wir uns, den Menschen in seinem So-Sein anzunehmen. Wir sehen ihn als ein Mosaik aus Eigenschaften. All die kleinen Teilchen sind nicht wir, sondern nur ein Teil des Ganzen. Alle sind aber Teil einer an sich positiven Pers\u00f6nlichkeit. C.G. Jung spricht von den sogenannten Schatten. Das sind Teile der Pers\u00f6nlichkeit, die wir verdr\u00e4ngen, weil sie schmerzhaft oder Angst machend sind. Das sind neurotische St\u00f6rungen. Unsere Lebensaufgabe besteht darin, diese verdr\u00e4ngten Anteile anzunehmen und zu integrieren. ( Ausf\u00fchrlicher dazu in der Kategorie \u201ePsychologie\u201c die Artikelserie \u201eYoga und Psychotherapie\u201c Mai\/Juni 2019).<\/p>\n<p>Wir sind keine starren Pers\u00f6nlichkeiten. Die Wahrnehmung, die wir von uns selbst haben, \u00e4ndert sich von Minute zu Minute. Es ist ein sich st\u00e4ndig \u00e4nderndes Kontinuum. Insofern k\u00f6nnen wir nicht sagen: \u201eDas bin ich\u201c, denn einen Moment sp\u00e4ter f\u00fchlen wir uns schon wieder anders.<\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt von der uns innewohnenden Ethik ab, wie wir mit uns umgehen und wie wir uns verhalten. Die Lehre, die Jesus im Neuen Testament vermittelt, ist die Botschaft der Liebe. In dem vor Jahrzehnten erschienen Buch von Erich Fromm \u201eHaben oder Sein\u201c wird sehr sch\u00f6n definiert, was das hei\u00dft. Es geht nicht darum, zu sagen: \u201eIch liebe dich oder ich liebe das\u201c, sondern es geht darum, zu sagen: \u201eIch liebe!\u201c Es ist eine Einstellung dem Leben gegen\u00fcber, die sich unterscheidet von Misstrauen und Angst gegen alles und jedes.<\/p>\n<p>Wir werden diese Haltung sicher nicht immer praktizieren k\u00f6nnen, denn wir sind Menschen. Insofern sind die Gebote der Bergpredigt auch als \u201eLeuchtfeuer\u201c zu verstehen und wenn wir sie nicht immer erf\u00fcllen k\u00f6nnen, so sollten wir uns bem\u00fchen. Die einzige \u201eS\u00fcnde\u201c ist, mutlos zu werden und nach dem Hinfallen nicht mehr aufzustehen und es nicht weiter zu versuchen.<\/p>\n<p>Es ist eigentlich eine Religion der Freude und der Liebe. Ich frage mich wirklich, warum es n\u00f6tig war, daraus eine Geschichte mit Blut, Schmerz, Tr\u00e4nen und \u201eGestank\u201c zu machen.<\/p>\n<p>Religion hat ja immer auch einen politischen und gesellschaftlichen Hintergrund. Menschen, die sich schuldig f\u00fchlen, haben ein schlechtes Gewissen. Damit sind sie manipulierbar. Wir kennen alle die Drohungen, die \u00fcber die Jahrhunderte von den Kanzeln auf das schuldige Volk herabgeschleudert wurden. Den Herrschenden kam das zu allen Zeiten sehr zupass, denn &#8211; Kirchen und Schl\u00f6sser standen nie sehr weit auseinander.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Osterfest, das wichtigste Fest der christlichen Religion, ist vorbei. Wir haben leere Kirchen erlebt. 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