{"id":1979,"date":"2020-03-28T18:52:55","date_gmt":"2020-03-28T17:52:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1979"},"modified":"2020-03-28T21:19:07","modified_gmt":"2020-03-28T20:19:07","slug":"schuldig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2020\/03\/28\/schuldig\/","title":{"rendered":"Schuldig?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1982\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-225x300.jpg\" alt=\"IMG_20190818_193024\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_20190818_193024-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Unser Denken ist ein wundervolles und auch schreckliches Ding. Es f\u00fchrt uns in geistige H\u00f6hen und wirft uns Augenblicke danach in die H\u00f6lle. Es l\u00e4sst uns Maschinen erfinden, mit denen wir die Welt ver\u00e4ndern, die uns aber auch an den Rand der Abgrunds st\u00fcrzen.<br \/>\nEs entwickelt Medikamente, die Krankheiten heilen, die die Menschheit seit Jahrtausenden peinigen. Und es erfindet mit der gleichen F\u00e4higkeit Designerdrogen, die eine Menschenleben zerst\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nichts ist v\u00f6llig gut oder auch v\u00f6llig schlecht. Immer sind die beiden Polarit\u00e4ten vorhanden. Mit jedem Tun produzieren wir sogenanntes Gutes und sogenanntes Schlechtes. Es ist alles eine Frage des Standpunktes. Zu Beginn einer Schlacht erflehen beide Seiten die Hilfe Gottes f\u00fcr ihre \u201egerechte \u201eSache. Wer hat Recht? Wie sollte sich Gott entscheiden? Wenn wir in unserem Garten arbeiten und liebevoll Pfl\u00e4nzchen setzen, die uns sp\u00e4ter ern\u00e4hren oder mit ihrer Farbenpracht erfreuen, schaffen wir Gutes, weil es uns geistig und k\u00f6rperlich erh\u00e4lt. Gleichzeitig t\u00f6ten wir W\u00fcrmer, K\u00e4fer und eine Vielzahl Organismen, die im Boden leben. Wer lebt muss handeln und ist der Gewalt unterworfen, passiv und aktiv. M\u00fcssen wir uns deshalb gr\u00e4men und s\u00fcndig f\u00fchlen? Wir k\u00e4men aus dem sich schlecht f\u00fchlen nicht mehr heraus.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle eine kurzen Ausflug in zwei unterschiedliche kulturelle und religi\u00f6se Traditionen unternehmen wobei f\u00fcr mich, als ich das erste mal davon h\u00f6rte, deutlich wurde, dass dieses sich schlecht f\u00fchlen, ein typisches Merkmal unserer christlichen Religion ist.<\/p>\n<p>Unl\u00e4ngst besuchte ich einen Vortrag \u00fcber Fundamentalismus im Islam. Der Referent, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe sprach zun\u00e4chst \u00fcber die Erbs\u00fcnde als einer der Pfeiler unserer christlichen Religion. Indem das erste Menschenpaar die urspr\u00fcnglich von Gott vorgesehene Vollkommenheit verlie\u00df, weil es sich einem Befehl durch Einfl\u00fcsterung der Schlange widersetzte, fiel es in den Zustand der S\u00fcnde, der sich von jetzt an als Ursprung des B\u00f6sen im Menschengeschlecht \u00fcber die Zeitalter hinweg manifestierte. Gleichzeitig sollte damit der allm\u00e4chtige Gott von der Verantwortung f\u00fcr das B\u00f6se in der Welt entlastet werden. \u201e Das durch sie (die ersten Menschen) allen Menschen in der biologischen Fortpflanzung mitgeteilte B\u00f6se habe als Erbs\u00fcnde seither die Entfaltung des guten Willens Gottes und die Durchsetzung des Heils unter den Menschen verhindert.\u201c (Enzyklop\u00e4die 2000, S.1742, Verlag des Wissens, Stuttgart\/Z\u00fcrich 1970). Dieses Dogma ist in beiden gro\u00dfen Konfessionen anerkannt. Auch wenn neuere Theologen zunehmend von der \u201eErl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit\u201c des Menschen sprechen und der Begriff der Erbs\u00fcnde weniger gebraucht wird, bleibt der Gedanke der Schuld an den Zust\u00e4nden, wie sie sind erhalten. Eine wahrhaft gigantische Last! Den meisten von uns sind bei Konflikten Gedanken an die eigene Schuld sehr vertraut. Wir suchen zun\u00e4chst den eigenen Anteil. Da wir immer in irgendeiner Form als Handelnde beteiligt sind, sind wir auch immer \u201eschuld\u201c. Gem\u00e4\u00df dem Gesetz, dass nichts vollst\u00e4ndig positiv oder negativ ist, hat aber auch dieses Denken ein Gutes. Es verleit uns die F\u00e4higkeit der Selbstreflexion und ist damit der Ursprung f\u00fcr Ver\u00e4nderung und Entwicklung, sowohl im individuellen, als auch im gesellschaftlichen Bereich.<\/p>\n<p>Dem Islam ist dieses Denken vollkommen fremd. Inschallah &#8211; wie Gott will, ist nicht nur so dahingesagt, sondern archetypisch tief in Individuum und Gesellschaft verankert. Alles ist Gottes Wille, alles ist in seiner Hand. Der Mensch f\u00fchlt sich dem unterworfen und hat folglich keinen Anteil an der Qualit\u00e4t seines \u00a0 Verhaltens oder auch am Zustand der Welt. Wenn man so will, ist das Denken des Moslems insofern ges\u00fcnder, insofern es von st\u00e4ndigen Selbstzweifeln befreit ist. Andererseits fehlt hier der Zwang zur Ver\u00e4nderung, der sich aus der Reflexion \u00fcber das Dasein ergibt. Dies ist auch der Grund, warum wir im gegenw\u00e4rtigen Islam Tendenzen wahrnehmen, die schw\u00e4rzer als das schw\u00e4rzeste Mittelalter sind.<\/p>\n<p>Unser Denken ist also kulturellen Pr\u00e4gungen unterworfen, denen wir uns nicht entziehen k\u00f6nnen. F\u00fcr uns ergibt sich daraus, dass ein &#8222;sich schlecht f\u00fchlen&#8220; nicht zur G\u00e4nze in unserer Verantwortung liegt.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Denken ist ein wundervolles und auch schreckliches Ding. Es f\u00fchrt uns in geistige H\u00f6hen und wirft uns Augenblicke danach in die H\u00f6lle. Es l\u00e4sst uns Maschinen erfinden, mit denen wir die Welt ver\u00e4ndern, die uns aber auch an den Rand der Abgrunds st\u00fcrzen. 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