{"id":1777,"date":"2019-10-04T18:59:27","date_gmt":"2019-10-04T16:59:27","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1777"},"modified":"2019-10-04T19:00:22","modified_gmt":"2019-10-04T17:00:22","slug":"bakterien-und-andere-heilige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/10\/04\/bakterien-und-andere-heilige\/","title":{"rendered":"Bakterien und andere Heilige"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1780\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1010304-300x208.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1010304-300x208.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1010304-768x532.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1010304-1024x709.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Stellen wir uns ein Bakterium im Magen-Darmtrakt vor und interviewen wir es \u00fcber seine Ansichten \u00fcber die Welt. Was m\u00f6gen da f\u00fcr Antworten herauskommen? Ein Bacteroides-Bakterium wird begeistert von seiner Arbeit des Aufspaltens von Kohlehydraten erz\u00e4hlen. Bakterien der Gattung Prevotella w\u00fcrden sich enthusiastisch \u00fcber die vegetarischen Aspekte ihrer T\u00e4tigkeit auslassen. Dem Interviewer w\u00fcrde das ganze Gespr\u00e4ch nach kurzer Zeit recht eint\u00f6nig vorkommen, weil einfach kein Austausch \u00fcber kulinarische Highlights zustande k\u00e4me, sondern nur \u00fcber Glukoseketten rauf und runter.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich w\u00fcrden sich die Gespr\u00e4chspartner h\u00f6flich aber frustriert trennen. \u201eNie wieder mit dem!\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Jeder von uns wird wohl schon einmal interessiert das Gewimmel auf einer Ameisenstra\u00dfe beobachtet haben. Wie die Tierchen emsig ihrer Arbeit nachgehen und Bl\u00e4ttchen mit einem Vielfachen ihres K\u00f6rpergewichts vor sich her bugsieren. Sie haben keine Ahnung von dem Beobachter. Sie leben in ihrer eigenen Welt.<\/p>\n<p>Die Welt der Bakterien und der Ameisen ist real. Sie erscheint uns gering, sind wir doch der Meinung, dass wir den gr\u00f6\u00dferen Durchblick haben. Fakt aber ist es, dass auch unsere Sicht der Wirklichkeit nur eine unter anderen ist.<\/p>\n<p>Ist jetzt die eine wichtiger als die andere? Dem Koch, der ein Avocadocarpaccio an Basilikummousse zubereitet hat, wird die technische Diskussion \u00fcber die Kohlehydrate wohl etwas n\u00fcchtern erscheinen. Gleichwohl er von Berufs wegen \u00fcber die Wichtigkeit der Bakterien Bescheid wei\u00df. Aber \u2013 es ist halt nicht so der ultimative Kick, der da r\u00fcber kommt.<\/p>\n<p>Festzuhalten ist, dass sowohl die Bakterien im Darm (gilt gemeinhin nicht als glamour\u00f6ses K\u00f6rperteil) als auch die Ameisen in ihrem Universum ihren Teil zum gro\u00dfen Ganzen beitragen. Sie k\u00f6nnen mit Fug und Recht Einspruch gegen unsere Arroganz erheben.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt in unseren \u00dcberlegungen ist die Frage, ob wir denn gegen\u00fcber einer anderen Realit\u00e4t nicht auch die Rolle von Ameisen spielen?<\/p>\n<p>Wir wissen es nicht, genau so wenig wie die von uns gering Gesch\u00e4tzten. Schon allein das sollte uns mit einer gewissen Demut erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wir mussten ja schon von manchem Thron heruntersteigen. Wir mussten lernen, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrums unseres Systems ist. Unser Bewusstsein ist nicht \u201eHerr im Haus\u201c, sondern das Unbewusste.<\/p>\n<p>Die mystischen Traditionen wie Yoga, Zen oder der Sufismus wissen das. Ich habe neulich eine kluge Definition von Meditation gelesen: Sie ist der Versuch des Gro\u00dfhirns, das dahinter gelegene Reptilienhirn mit Kleinhirn und die Medulla Oblongata zur Ruhe zu bringen. Das hei\u00dft, das Tagbewusstsein muss die Disziplin aufbringen, sich hinzusetzen und die \u201egrauen Eminenzen\u201c im Hintergrund und die eigenen st\u00e4ndigen Aktivit\u00e4ten zur Ruhe zu bringen.<\/p>\n<p>Dann, wenn alle Umtriebe von Gro\u00df-und Kleinhirn zur Ruhe gekommen sind, er\u00f6ffnet sich dem Adepten die gro\u00dfe Realit\u00e4t oder Gottesschau.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht durch Denken dahin gelangen.<\/p>\n<p>Als ich einst in der winzigen Meditationsh\u00f6hle des gro\u00dfen Ramana Maharshi auf dem Berg Arunachala in S\u00fcdindien stand, fragte ich mich, was einen wohl dazu bewegen kann, Jahrzehnte lang dort zu bleiben und \u00fcberhaupt nichts von dieser bunten, lebendigen Welt mitzubekommen? Nat\u00fcrlich wusste ich es intellektuell, aber es ist schwer nachzuvollziehen. Dieser Mensch lebte in der absoluten Schau des Seins. Wozu sollte er nach London fahren, um die Tower Bridge zu sehen?<\/p>\n<p>Sat-Chit-Ananda hei\u00dft es im Vedanta: Das absolute Bewusstsein, die h\u00f6chste Form der bedingungslosen Gl\u00fcckseligkeit. Das war seine Ebene der Existenz.<\/p>\n<p>Wir, die im profanen Leben stehen, ahnen nur manchmal vom Vorhandensein dieser Art des Bewusstseins. Schnell sind wir dann wieder in unseren t\u00e4glichen Verrichtungen versunken.<\/p>\n<p>Was wir tun k\u00f6nnen ist, uns immer wieder daran zu erinnern, dass unsere Sicht nicht die wahre Sicht der Dinge ist.<\/p>\n<p>Im 17. Jahrhundert lebte in Rom der lachende Heilige Philipp Neri. Er nahm die Menschen durch seinen Humor ein. Je bekannter er wurde, desto n\u00e4rrischer wurden seine Sp\u00e4\u00dfe. Im nicht ernst nehmen des T\u00e4glichen sah er die L\u00f6sung, um nicht davon verschlungen zu werden.<\/p>\n<p>\u201eSeid gut&#8230;wenn ihr k\u00f6nnt\u201c, sagte er. Als er bereits 1622 zusammen mit solchen Gr\u00f6\u00dfen wie Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Franz Xaver und Isidor heiliggesprochen wurde, hie\u00df es in den Stra\u00dfen Roms: \u201eHeute hat der Papst vier Spanier und einen Heiligen kanonisiert.\u201c<\/p>\n<p>Das Leben ist ein Film, der sich vor unseren Augen abspielt. Wir sind begeisterte Zuschauer und freuen uns und leiden mit den Protagonisten auf der Leinwand &#8211; wir sind gleichsam beteiligt.<\/p>\n<p>Aber, ohne die Projektorlampe hinter dem Film spielt sich gar nichts ab. Ihr Licht ist immer gleichm\u00e4\u00dfig, w\u00e4hrend auf der Leinwand stetiger Wechsel zwischen Hell und Dunkel und zwischen Ruhe und Bewegung herrscht.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns immer wieder daran.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen wir uns ein Bakterium im Magen-Darmtrakt vor und interviewen wir es \u00fcber seine Ansichten \u00fcber die Welt. Was m\u00f6gen da f\u00fcr Antworten herauskommen? 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