{"id":1634,"date":"2019-06-23T19:47:02","date_gmt":"2019-06-23T17:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1634"},"modified":"2019-06-23T19:51:50","modified_gmt":"2019-06-23T17:51:50","slug":"karma-und-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/06\/23\/karma-und-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Karma und Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1636\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PICT0992-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PICT0992-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PICT0992-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PICT0992-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Dieser Tage war zu lesen, dass das gro\u00dfe Trinkwasserreservoir in der N\u00e4he der s\u00fcdindischen Gro\u00dfstadt Chennai weniger Wasser als sonst enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wurde auch beklagt, dass durch Neubauten viele T\u00fcmpel und kleine Gew\u00e4sser zugesch\u00fcttet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nun muss man wissen, dass Wasser in Indien ein kostbares Gut ist. Auch in Jahren mit normalem Monsun wird nur eine bestimmte Menge Wasser zugeteilt. W\u00e4hrend meiner Zeit im Yogainstitut \u00f6ffnete mein Lehrer Dr. Jayadeva morgens die Wasserzufuhr, um die zugeteilte Menge in den Tank auf dem Dach zu pumpen. Damit musste man dann auskommen.<!--more--><\/p>\n<p>Kehren wir zur\u00fcck nach S\u00fcdindien. Nat\u00fcrlich verga\u00dfen die offiziellen Stellen bei ihrer Klage nicht, auf die Erderw\u00e4rmung hinzuweisen.<\/p>\n<p>Ich kenne von meinen Reisen einige gro\u00dfe St\u00e4dte in S\u00fcdindien: Chennai, Pondicherry, Trichy usw. Vor allem aus Pondicherry ist mir ein Bild im Ged\u00e4chtnis haften geblieben. Auf unserem Weg vom Hotel in die Innenstadt \u00fcberquerten wir einen kleinen Flusslauf. Das Wasser war schwarz, soweit man es \u00fcberhaupt sehen konnte, denn die Oberfl\u00e4che war dick mit Plastik und Unrat aller Art bedeckt. Wenn man durch die idyllischen Palmenhaine Kovalams in Kerala bummelt, wegen der Backwaterkan\u00e4le gibt es dort auch reichlich Wasser, sieht man viele Plastikt\u00fcten, die achtlos weggeworfen wurden. Man hat oft den Eindruck, dass das ganze Land mit Plastik bedeckt ist.<\/p>\n<p>Eine uns bekannte Inderin beklagte das auch einmal und meinte dann, dass die Inder das schon s\u00e4hen und sich im Ausland auch anders verhalten w\u00fcrden, aber sobald sie wieder zuhause w\u00e4ren, w\u00fcrde wieder alles achtlos in die Umwelt geworfen. Obwohl ich Indien liebe, halte ich es f\u00fcr das schmutzigste Land auf unserem Planeten.<\/p>\n<p>Wie ist das zu erkl\u00e4ren? Im Yoga und Ayurveda gibt es Reinigungstechniken, von denen wir im Westen nichts ahnten. Da gibt es die Reinigung von Darm, Magen, Zunge und Augen. Nicht zu sprechen von den Regeln der geistigen Reinhaltung in den Yamas und Niyamas.<\/p>\n<p>Die pers\u00f6nliche Sauberkeit ist in allen Bereichen sichtbar. Auch an den staubigsten Stra\u00dfen wird st\u00e4ndig gekehrt \u2013 aber nur bis zur eigenen Grenze und da liegt der Hase im Pfeffer. Das, was au\u00dferhalb des eigenen Bereiches liegt, ist nicht von Interesse.<\/p>\n<p>In der Bhagavad Gita lesen wir, dass es nicht ratsam sei, sich in das Karma von anderen einzumischen. In den Yogasutren steht, dass der Ort, an dem man lebt, die Art der Erfahrungen und die Dauer des gegenw\u00e4rtigen Lebens durch vergangenes Karma determiniert sei. Da gibt es nichts zu ver\u00e4ndern. Das muss gelebt werden.<\/p>\n<p>Nur im jetzigen Leben kann man durch die Art und Weise, wie man lebt, sein zuk\u00fcnftiges Leben bestimmen. Wenn man sein gegenw\u00e4rtiges Dharma gut erf\u00fcllt, dann hat man die Chance, \u201enach oben\u201c zu klettern.<\/p>\n<p>Es gibt diese Geschichte von dem Ertrinkenden, der verzweifelt im Wasser strampelt, w\u00e4hrend die Zuschauer teilnahmslos zusehen. Ein aufgeregt fragender Westerner erh\u00e4lt die Antwort: \u201eDas ist eben sein Karma.\u201c<\/p>\n<p>Als der junge Shri Yogendraji, der Gr\u00fcnder des Yogainstituts in Mumbai, eines Tages mit seinem Guru Paramahamsa Madhavadasaji mit einer F\u00e4hre \u00fcber einen breiten Strom \u00fcbersetzen wollte, hielt ihn der Guru zur\u00fcck und sagte, dass die F\u00e4hre untergehen und viele ertrinken w\u00fcrden. \u201eAber da muss man doch eingreifen und sie warnen!\u201c \u201eWozu, es sind doch alles Narren!\u201c<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass der Guru das Siddhi der Voraussage der Zukunft praktizierte, ist die Geschichte schon ziemlich strange, zeigt aber deutlich, wie indisches Denken ist. Die Passagiere wurden von ihrem Karma just zu dieser Stunde zu dieser F\u00e4hre gef\u00fchrt. Das ist kein Zufall. Wenn sie jetzt also ertrinken, dann haben sie offensichtlich das, was sie in diesem Leben abzuarbeiten haben, erf\u00fcllt und k\u00f6nnen hin\u00fcbergehen in die n\u00e4chste Daseinsform. F\u00fcr den Inder ist das klar, aber ist es das auch f\u00fcr uns mit unserer Tradition der N\u00e4chstenliebe und dem Jesuswort: \u201eWas ihr einem meiner geringsten Br\u00fcder tut, das habt ihr mir getan.\u201c<\/p>\n<p>Wir im Westen mixen ja gerne alle m\u00f6glichen Fragmente aus fernen Kulturen und Kulten zusammen und basteln uns eine eigene Religion. Aber, so einfach ist das nicht. Ich denke, dass wir archetypisch sehr fest in unseren Traditionen verwurzelt sind und zwar intellektuell mit \u00f6stlichem Denken jonglieren k\u00f6nnen, aber tief drinnen das bleiben, was wir kraft Herkunft sind. Wen meine Erfahrungen da interessieren, den verweise ich auf mein Buch: \u201eJenseits von Benares\u201c.<\/p>\n<p>Es ist auch unter Indern common sense, dass dieses Denken ans eigene Karma und das eigene Dharma dazu f\u00fchrt, dass es an Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft und die weitere Umgebung au\u00dferhalb seines eigenen Bereichs fehlt.<\/p>\n<p>Keinem Inder k\u00e4me es in den Sinn, die Welt retten zu wollen, wie wir Deutschen uns ja gerade wieder mal anschicken.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage war zu lesen, dass das gro\u00dfe Trinkwasserreservoir in der N\u00e4he der s\u00fcdindischen Gro\u00dfstadt Chennai weniger Wasser als sonst enth\u00e4lt. In diesem Zusammenhang wurde auch beklagt, dass durch Neubauten viele T\u00fcmpel und kleine Gew\u00e4sser zugesch\u00fcttet w\u00fcrden. Nun muss man wissen, dass Wasser in Indien ein kostbares Gut ist. 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