{"id":1610,"date":"2019-06-05T16:53:16","date_gmt":"2019-06-05T14:53:16","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1610"},"modified":"2019-06-05T16:55:27","modified_gmt":"2019-06-05T14:55:27","slug":"yoga-und-psychotherapie-teil-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/06\/05\/yoga-und-psychotherapie-teil-5\/","title":{"rendered":"Yoga und Psychotherapie Teil 5"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1612\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_20190421_150825-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_20190421_150825-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_20190421_150825-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Wir sagten, dass Yoga Psychotherapie als Vorstufe bezeichnet. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich das von selbst. Es geht dem Yogi n\u00e4mlich gar nicht um das Bearbeiten von Verhaltensstrukturen, also Blockaden, die etwa aus der Kindheit stammen und die unser Verhalten negativ bestimmen. Das ist nur insofern von Bedeutung, als es f\u00fcr die Aus\u00fcbung von Yoga zum Erlangen der Befreiung (Moksa) erforderlich ist (siehe Beispiel von dem Aspiranten, der so \u201egut\u201c meditieren konnte). F\u00fcr den Yogi ist der Inhalt von Citta unersch\u00f6pflich, enth\u00e4lt sie doch alle Eindr\u00fccke, Gedanken und Gef\u00fchle aus allen Inkarnationen. Wo sollte man da anfangen und wo enden?<!--more--><\/p>\n<p>Es gibt im Yoga den Begriff Samskaras, damit sind alle Eindr\u00fccke gemeint, die ins Bewusstsein gelangen. Manche davon sind sehr pr\u00e4gend, wenn sie zum Beispiel von traumatischen Ereignissen stammen. Manche sind mit starken Gef\u00fchlen verbunden. Manche hinterlassen (fast) keine Spuren, wie das Trinken einer Tasse Tee. Alle treten im Lauf der Zeit in den Hintergrund des Bewusstseins oder versinken im Unbewussten. Alle sind aber jederzeit bereit, wenn ein korrespondierender \u00e4u\u00dferer Anlass auftaucht, wieder in alter Intensit\u00e4t ins Bewusstsein zu treten.<\/p>\n<p>Da gibt es das bekannte Beispiel von dem Yogi, der schon kurz vor dem Samadhi in tiefer Meditation am Ufer des heiligen Ganges sitzt. Eines Tages kommt eine Gruppe junger M\u00e4dchen mit Gesang und klingenden Fu\u00dfkettchen vorbei. Diese Eindr\u00fccke dringen in sein Bewusstsein, wecken alte Begierden und bringen ihn wieder zur\u00fcck ins pralle Leben des Wandels und der Verg\u00e4nglichkeit.<\/p>\n<p>Hier wird auch deutlich, was Psychotherapie leistet und was nicht. Jeder, der schon einmal eine Therapie gemacht hat, wei\u00df, dass dadurch keine endg\u00fcltige L\u00f6sung erreicht wird. Die Erfahrungen, Neurosen und Traumata der Vergangenheit verschwinden ja nicht einfach, aber es ist m\u00f6glich, die Sichtweisen darauf zu ver\u00e4ndern und andere Verhaltensstrukturen einzu\u00fcben. Aber all das ist kein Garant, dass irgendetwas vorbei ist.<\/p>\n<p>Nicht umsonst gibt es bei den Anonymen Alkoholikern den Wunsch \u201eGute 24 Stunden!\u201c Das ist schon eine ganze Menge. Es gibt, trotz therapeutischen Bem\u00fchens, keine Garantien f\u00fcr unbeschwertes Gl\u00fcck. Immerhin kann die Lebensqualit\u00e4t verbessert werden, weil z.B. die kindlichen Verhaltensstrukturen durch Erwachsenen gem\u00e4\u00dfe ersetzt werden.<\/p>\n<p>Wir kennen den Begriff Karma aus den \u00f6stlichen Philosophien, auch aus dem Yoga. Es gibt kurz-mittel- und lang wirkende Karmas (wenn man diese Art des Denkens f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt).<\/p>\n<p>So kann z.B. ein lang wirkendes Karma aus dem vorvorletzten Leben in die scheinbare Idylle eines therapeutisch gekl\u00e4rten Lebens einschlagen und alles kr\u00e4ftig durcheinander wirbeln, auch tiefes Leid verursachen.<\/p>\n<p>Wir sprachen im letzten Abschnitt \u00fcber den Purusa als innersten Kern, als den wahren Menschen, der das Geschehen um sich herum reflektiert und sich f\u00e4lschlicherweise damit identifiziert. Jetzt k\u00f6nnte man sagen: \u201eGanz sch\u00f6ner Idiot, der wahre Mensch. Warum ist er so bl\u00f6d?\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort ist, dass wir hier an die Grenze der Mensch gemachten Philosophie gelangen. Es ist nun einmal so. Wir m\u00fcssen das als Axiom hinnehmen und jede Philosophie ist nur ein<br \/>\nErkl\u00e4rungsversuch der Fakten, wie wir sie wahrnehmen.<\/p>\n<p>Aber, Yoga ist eine Erfahrungswissenschaft und aus der Erfahrung heraus hat sich gezeigt, dass durch die Praxis von Yoga erreicht werden kann, dass sich der Purusa offenbart.<\/p>\n<p>Durch die konsequente Praxis des Achtfachen Pfades des Klassischen Yoga, wie er in Patanjalis Yogasutren erl\u00e4utert ist, erkennt sich der Purusa in seinem wahren Wesen. Der Mensch identifiziert sich nicht mehr mit den materiellen Ph\u00e4nomenen, die er bislang f\u00fcr sein Ich hielt, sondern er erkennt sein wahres, seit jeher vollkommenes Wesen, sein Buddhawesen, wie die Buddhisten sagen.<\/p>\n<p>Das ist damit gemeint, wenn es hei\u00dft: \u201eGott schuf den Menschen sich zum Bilde.\u201c<\/p>\n<p>Der Yogi verl\u00e4sst also den Bereich der materiellen Welt. Er sieht die Besch\u00e4ftigung damit als unendliche Geschichte, als ein Herumr\u00fchren im immer gleichen Fass (ohne Boden).<\/p>\n<p>Er entscheidet sich f\u00fcr die endg\u00fcltige Befreiung, indem er der Welt entsagt.<\/p>\n<p>Wenn man so will, ist Psychotherapie ein Kompromiss, um mit dem st\u00e4ndigen Auf und Ab der Eindr\u00fccke, Gef\u00fchle und Gedanken leben zu k\u00f6nnen und nicht st\u00e4ndig zu stark gebeutelt zu werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Yogi ist das aber vollkommen uninteressant.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sagten, dass Yoga Psychotherapie als Vorstufe bezeichnet. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich das von selbst. Es geht dem Yogi n\u00e4mlich gar nicht um das Bearbeiten von Verhaltensstrukturen, also Blockaden, die etwa aus der Kindheit stammen und die unser Verhalten negativ bestimmen. 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