{"id":1601,"date":"2019-05-31T20:12:30","date_gmt":"2019-05-31T18:12:30","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1601"},"modified":"2019-05-31T20:14:09","modified_gmt":"2019-05-31T18:14:09","slug":"yoga-und-psychotherapie-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/05\/31\/yoga-und-psychotherapie-teil-4\/","title":{"rendered":"Yoga und Psychotherapie Teil 4"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1603\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190519_113252-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190519_113252-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190519_113252-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190519_113252-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Es k\u00f6nnte eigentlich die Frage auftauchen, warum ich \u00fcber dieses Thema schreibe? Was hat Yoga mit Psychotherapie zu tun?<\/p>\n<p>Nun, jeder von uns hat ja einen oder auch mehrere Gr\u00fcnde gehabt, warum er oder sie irgendwann mit Yoga angefangen hat.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde gibt es viele: ruhiger werden, sich nicht mehr so aufregen, verzeihen k\u00f6nnen, gelenkig werden, was f\u00fcr den Blutdruck tun, selbstst\u00e4ndig oder innerlich stabiler werden, mit dem Rauchen aufh\u00f6ren usw.<!--more--><\/p>\n<p>All das empfinden wir als Pers\u00f6nlichkeitsdefizite, die wir gerne korrigieren m\u00f6chten. Diese Defizite basieren auf Strukturen, die wir uns irgendwann einmal angeeignet haben, meist nicht freiwillig. Es waren \u00dcberlebensstrategien, die irgendwann passten, weil sie uns als die einzig m\u00f6glichen erschienen.<\/p>\n<p>Kehren wir kurz zu dem Beispiel mit den beiden kleinen Kindern in Teil Eins zur\u00fcck. Der \u201e\u00dcbelt\u00e4ter\u201c musste seine Triumphgef\u00fchle verdr\u00e4ngen, aus Angst, die Liebe der Mutter zu verlieren. Eine m\u00f6gliche Folge habe ich beschrieben.<\/p>\n<p>Wie kommt man jetzt auf Yoga, um Heilung zu erfahren? M\u00f6glicherweise schwebt einem das Bild eines abgekl\u00e4rten Yogis vor, der weise l\u00e4chelnd im Lotossitz verharrt und von den Unbilden dieser Welt nicht mehr ber\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Die ersten Stufen des Achtfachen Pfades sind Yama und Niyama, also Verhaltensweisen, die man ablegen soll und solche, die man sich aneignen soll. Die Engl\u00e4nder sagen wie so oft viel einfacher: the dont&#8217;s and the does.\u201c<\/p>\n<p>Nehmen wir Yama Nummer Eins:\u201eAhimsa &#8211; Gewaltlosigkeit\u201c. Da wird von unserem kleinen Jungen, der inzwischen erwachsen ist, verlangt, freundlich zu sein, obwohl sein Problem darin besteht, sowieso zu freundlich zu sein und er eigentlich lernen m\u00fcsste, mal ordentlich auf den Tisch zu hauen. Es kann also durchaus passieren, dass sich seine Neurose (Definition: Neurosen sind Pers\u00f6nlichkeitsanteile, die abgespalten werden m\u00fcssen, d.h. nicht gef\u00fchlt werden d\u00fcrfen, weil sonst zu viel Angst entsteht.) noch verfestigt.<\/p>\n<p>Hier wird klar, dass man sich nicht einfach ein System \u00fcberst\u00fclpen sollte, ohne seine inneren Strukturen zu kennen.<\/p>\n<p>Da gibt es dieses sch\u00f6ne Beispiel von dem Yogasch\u00fcler, der stundenlang meditativ sitzen kann.<br \/>\nAlle beneiden ihn. Letztlich stellt sich heraus, dass ihm das gar nicht schwer f\u00e4llt, weil er eine tamasische Pers\u00f6nlichkeit ist, auf deutsch, ein fauler Sack. F\u00fcr ihn w\u00e4re gerade das Gegenteil angesagt.<\/p>\n<p>Wir kommen jetzt zu einem wesentlichen Unterschied zwischen Yoga und Psychotherapie, n\u00e4mlich der Lehre vom Nicht-Ich.<\/p>\n<p>Wenn wir sagen \u201eIch\u201c, dann meinen wir unser Selbst, das hei\u00dft, das was wir als zu unserer Pers\u00f6nlichkeit geh\u00f6rig empfinden. Laut Carl Rogers flie\u00dfen ins Selbstkonzept alle Erfahrungen ein, die einen starken Gef\u00fchlsbezug zu uns haben. Yoga sieht das anders.<\/p>\n<p>Auf dem von den Hindus als heilig angesehenen Berg Arunachala bei der s\u00fcdindischen Stadt Tiruvannamalai lebte mehrere Jahrzehnte der ber\u00fchmte Heilige Ramana Maharshi.<\/p>\n<p>Seine zentrale Botschaft war: \u201eWer bin ich?\u201c Dies war sein Yoga: \u201eWer sitzt da? Wer isst gerade? Wer ist es, der die Welt wahrnimmt? Usw.\u201c<\/p>\n<p>Um zu kl\u00e4ren, was es damit auf sich hat, zitiere ich im folgenden aus meinem Buch \u201eDas Yogalehrbuch\u201c:<\/p>\n<p>\u201eDas Weltbild des Yoga basiert auf der dualistischen Samkhyaphilosophie. Dualistisch bedeutet, dass von zwei v\u00f6llig getrennten und unterschiedlichen Wesenheiten ausgegangen wird, aus denen die Welt besteht. Das Samkhya ist eines der sechs Systeme der brahmanischen Philosophie.<\/p>\n<p>Purusa- Der wahre Mensch<\/p>\n<p>Die erste Wesenheit wird mit Purusa (sprich Puruscha) bezeichnet. Das bedeutet Mensch. Wir verstehen darunter den innersten Wesenskern eines jeden Menschen. Seine innerste Seele. Purusa ist absolut statisch, seit Ewigkeit in sich ruhend, losgel\u00f6st von allem und von nichts ber\u00fchrbar. Er hat kein Verlangen, nach was auch immer. F\u00fcr ihn gibt es kein Suchen und kein Streben. Er ist in sich vollkommen, von Beginn an, f\u00fcr alle Ewigkeit. In unserer Kultur kommt der Begriff \u201dSeele\u201d dem am n\u00e4chsten, was wir uns unter Purusa vorstellen k\u00f6nnen. Jedes lebende Wesen besitzt einen Purusa.<\/p>\n<p>Wenn wir \u201dIch\u201d sagen, meinen wir normalerweise unseren Organismus, der aus K\u00f6rper und Psyche besteht. Das Ziel allen Yogas ist, den Purusa als unser wahres, vollkommenes Ich wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Stelle dir den Purusa als einen Diamanten vor, glasklar, hell strahlend und ohne jede Farbe. Er ist umh\u00fcllt von Schleiern farbigen Lichts. Dadurch erscheint er selbst farbig. Tats\u00e4chlich jedoch reflektiert er das Licht nur. Die Schleier sind unsere nie ruhenden Gedanken, gespeist aus einer unendlichen Zahl von Sinneseindr\u00fccken. Ohne das Licht des Diamanten w\u00e4ren die Farben nicht sichtbar. \u00dcbersetzt hei\u00dft das, dass eine stoffliche Existenz ohne Seele nicht m\u00f6glich ist. Der Purusa ist also die Quelle unseres Denkens, unserer Existenz. Indem er aber die Farben der Welt der Sinne reflektiert, erscheint er uns identisch mit ihnen. Das ist der Grund, weswegen wir ihn, unser wahres Selbst, nicht erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es k\u00f6nnte eigentlich die Frage auftauchen, warum ich \u00fcber dieses Thema schreibe? Was hat Yoga mit Psychotherapie zu tun? Nun, jeder von uns hat ja einen oder auch mehrere Gr\u00fcnde gehabt, warum er oder sie irgendwann mit Yoga angefangen hat. 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