{"id":1597,"date":"2019-05-28T13:32:26","date_gmt":"2019-05-28T11:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1597"},"modified":"2019-05-28T13:32:26","modified_gmt":"2019-05-28T11:32:26","slug":"yoga-und-psychotherapie-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/05\/28\/yoga-und-psychotherapie-teil-3\/","title":{"rendered":"Yoga und Psychotherapie Teil 3"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1599\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190527_104718-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190527_104718-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_20190527_104718-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Es gibt im Yoga den Begriff Citta, das hei\u00dft Geist. In der Citta sind alle Gedanken, Eindr\u00fccke und Gef\u00fchle gespeichert, die innerhalb einer Reinkarnationsreihe jemals gedacht oder gef\u00fchlt wurden. Der grobstoffliche K\u00f6rper stirbt, Citta bleibt \u00fcber die Reinkarnationen erhalten.<\/p>\n<p>Hier ist einer der wesentlichen Unterschiede zur Psychotherapie. Sie versucht, das was in einer Lebensperiode geschehen ist, aufzuarbeiten. Deswegen hei\u00dft es, Yoga beginne dort, wo Psychotherapie aufh\u00f6rt.<!--more--><\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch in der Psychotherapie, Versuche weiter zur\u00fcckzugehen. Ich denke hier an die R\u00fcckf\u00fchrungen in der Reinkarnationstherapie oder an das Holotrope Atmen nach Stanislav Grof.<\/p>\n<p>Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Eindr\u00fccke vor diesem Hintergrund in der Citta gespeichert sind und t\u00e4glich kommen Neue hinzu.<\/p>\n<p>Patanjali unterscheidet f\u00fcnf Arten der Geistesaktivit\u00e4t, die Inhalte der Citta werden. Die ersten zwei sind Erkenntnis und Irrtum. Daf\u00fcr wiederum gibt es drei Quellen:<\/p>\n<p>Direkte Wahrnehmung<br \/>\nWahrnehmungen, gefiltert durch religi\u00f6se und philosophische \u00dcberlieferung<br \/>\nRationale Schlussfolgerung<br \/>\nAlle drei k\u00f6nnen zu Erkenntnis oder Irrtum f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine weitere Art der Geistesaktivit\u00e4t ist die Einbildung. Das sind Inhalte, die auf Grund irgendwelcher Vorstellungen f\u00fcr wahr gehalten werden. Zum Beispiel mag jemand denken, der oder die kann ihn nicht leiden, weil die Person vorgestern nicht gegr\u00fc\u00dft hat.<\/p>\n<p>Als viertes Moment kommt die Erinnerung an vergangenes Denken und zur\u00fcckliegende Erfahrungen hinzu.<\/p>\n<p>Als letztes z\u00e4hlt Patanjali den Schlaf als Quelle f\u00fcr Inhalte der Citta.<\/p>\n<p>Alle diese Eindr\u00fccke \u201emachen\u201c etwas mit uns. Sie bewirken Zust\u00e4nde, die wir als gl\u00fccklich oder leidvoll definieren. Jeder wei\u00df, dass sich das alles in Sekunden nach allen Richtungen hin ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Psychotherapie und Yoga gehen mit diesen Fakten vollkommen unterschiedlich um.<\/p>\n<p>Carl Rogers definiert als Ziel von Psychotherapie:<\/p>\n<p>Das Individuum soll in einem st\u00e4ndigen Kontinuum von Erfahrungen frei entscheiden k\u00f6nnen, was es in sein Selbstkonzept aufnimmt und sich entsprechend seiner inneren und \u00e4u\u00dferen Realit\u00e4t verhalten.<\/p>\n<p>Der Mensch ist nichts Statisches und soll insofern nicht an vergangenen Erfahrungen kleben, sondern lernen, Altes zwar wahrzunehmen, aber in der Lage sein, zu sehen, dass er nicht mehr der ist, der er vor 30 Jahren war, sondern seinen neuen Erfahrungen zu trauen und sich neu verhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beispiel: \u201eIch bin nicht mehr das kleine M\u00e4dchen, das sch\u00fcchtern auf dem Schulhof herumsteht. Wenn ich meine heutige Realit\u00e4t anschaue, dann sehe ich, dass ich Freunde habe, die mich sch\u00e4tzen und dass ich mich in Konfliktsituationen gut vertreten kann usw. Ich brauche mich nicht mehr so zu f\u00fchlen wie damals.\u201c<\/p>\n<p>Die Psychoanalyse spricht von einer Reduzierung der Macht des \u00dcber-Ichs und einer St\u00e4rkung der Ich-Kompetenz.<\/p>\n<p>In Freuds Pers\u00f6nlichkeitsmodell entspricht das \u00dcber-Ich dem moralischen W\u00e4chter in uns, also der Instanz, die uns hindert, unsere libidin\u00f6sen Tendenzen zu leben.<\/p>\n<p>Also: \u201eIch lasse heute mal alle f\u00fcnfe gerade sein und gehe an den See zum Baden, auch wenn Mama immer gesagt hat, was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Ich mache das jetzt einfach, weil ich das so will und weil ich damit klar komme.\u201c<\/p>\n<p>Jeder von uns schleppt vielerlei Strukturen aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten mit sich herum. Wir leben mit \u00c4ngsten, die wir heute als Erwachsene gar nicht mehr zu haben br\u00e4uchten, weil uns keiner mehr in den Keller sperren kann und trotzdem reagieren wir auf scheinbare Bedrohungen immer noch so wie das kleine Kind.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt im Yoga den Begriff Citta, das hei\u00dft Geist. In der Citta sind alle Gedanken, Eindr\u00fccke und Gef\u00fchle gespeichert, die innerhalb einer Reinkarnationsreihe jemals gedacht oder gef\u00fchlt wurden. Der grobstoffliche K\u00f6rper stirbt, Citta bleibt \u00fcber die Reinkarnationen erhalten. Hier ist einer der wesentlichen Unterschiede zur Psychotherapie. 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