{"id":1532,"date":"2019-04-22T18:13:29","date_gmt":"2019-04-22T16:13:29","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1532"},"modified":"2019-04-22T18:20:26","modified_gmt":"2019-04-22T16:20:26","slug":"mu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/04\/22\/mu\/","title":{"rendered":"Mu"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1534\" aria-describedby=\"caption-attachment-1534\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1534\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20181221_104604-300x271.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20181221_104604-300x271.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20181221_104604-768x695.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20181221_104604-1024x927.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1534\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als ich vor ziemlich genau 40 Jahren mit Yoga anfing, fiel mir der damalige spirituelle Bestseller: \u201eDie drei Pfeiler des Zen\u201c von Philip Kapleau in die H\u00e4nde. Es ist ein Werk, das das Zen in Theorie und Praxis beschreibt, unter anderem das Koan. Koans sind Begriffe, die dem Sch\u00fcler vom Meister gegeben werden und \u00fcber die er meditieren soll. Sie sollen das diskursive Denken stoppen, das aller Erleuchtung im Wege steht. Der Geist soll leer sein. Wie bringt man ihn dazu? U.a. damit, dass man ihm etwas gibt, das f\u00fcr ihn sinnlos ist, ein Koan. Mu ist eines davon. Es bedeutet \u201enichts, ohne\u201c. Auf die Frage, ob ein Hund Buddhanatur habe, antwortete der Zenmeister Joshu: \u201eMu\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Kapleau bringt Erlebnisberichte von Aspiranten des Zen in japanischen Kl\u00f6stern. Er sagt, die schnellste Art, erleuchtet zu werden, ist das Koan. Das war f\u00fcr mich <strong>die<\/strong> Aussage. Er beschrieb, wie Sch\u00fcler die N\u00e4chte durch im Park des Klosters sa\u00dfen und muten.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich wollte auch ich schnellstens erleuchtet werden. Langsames, geduldiges \u00dcben war nicht mein Fall und so mute auch ich vor mich hin.<\/p>\n<p>\u201eMu, Mu, Mu&#8230; &#8211; also was ist jetzt, jetzt muhe ich schon eine halbe Stunde und wo bleibt die Erleuchtung\u201c?<\/p>\n<p>Das Fatale ist, dass das Denken sich selbst beobachtet. Es kommentiert seine \u201eAbsichtslosigkeit\u201c. Das ist so absurd, dass es schon fast selbst ein Koan ist.<\/p>\n<p>Wir waren damals ein paar Monate mit unserem VW-Bus in den schottischen Highlands unterwegs und mancher stille Fleck h\u00f6rte mich muen. Wahrscheinlich dachten die umstehenden Schafe manchmal verwundert: \u201eDas hei\u00dft nicht Mu, sondern M\u00e4h.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen sind vier Jahrzehnte vergangen.<\/p>\n<p>Im Folgenden zitiere ich nochmal eine kleine Zengeschichte, die ich k\u00fcrzlich in den \u201eStreiflichtern\u201c anf\u00fchrte, weil sie so genau das Problem umrei\u00dft.<\/p>\n<p>Es ist unsere nie versiegende Ungeduld!<\/p>\n<p>Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf, um ihn zu fragen:<\/p>\n<p>Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangen werde?<\/p>\n<p>Vielleicht zehn Jahre,<\/p>\n<p>entgegnete der Meister.<\/p>\n<p>Und wie lange dauert es, wenn ich mich besonders anstrenge?<\/p>\n<p>fragte der Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>In diesem Fall kann es zwanzig Jahre dauern,<\/p>\n<p>erwiderte der Meister.<\/p>\n<p>Ich will so schnell wie m\u00f6glich ans Ziel gelangen und bin bereit, wirklich jede H\u00e4rte auf mich zu nehmen,<\/p>\n<p>beteuerte der Mann.<\/p>\n<p>Dann kann es bis zu vierzig Jahre dauern,<\/p>\n<p>erwiderte der Meister.<\/p>\n<p>Gestern Abend kam auf Arte eine wirklich gut gemachte Sendung \u00fcber Yoga. Es wurden verschiedene Ashrams mit ihren \u00dcbungsmethoden dargestellt. Die Leute waren ernsthaft dabei und \u00e4u\u00dferten sich auch ganz ernsthaft, wie es bei Yogaleuten so \u00fcblich ist. Genau so war es bei uns damals im Yogainstitut in Bombay und genau so ist es auch heute noch.<\/p>\n<p>Damals wie heute sucht man vor allem Stressfreiheit, innere Ruhe, keine Kopfschmerzen, ruhigen Schlaf und hinter all dem steht der Wunsch, dass einem die Welt nicht mehr so aufregen m\u00f6ge. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, mit mildem L\u00e4cheln \u00fcber all dem Getriebe, das einen jeden Tag so aufregt, thronen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Alle guten spirituellen Lehrer sagen ihren Sch\u00fclern, dass es nicht die oder die \u00dcbung ist, die eine bestimmte Wirkung zeitigt. Also zum Beispiel: \u201e Wenn du Halasana ausf\u00fchrst, hast du keine Verstopfung mehr.\u201c Das leuchtet ein, aber irgendwie ist das auch \u00e4rgerlich. Warum? Weil unser Denken nach dem Wenn &#8211; Dann &#8211; Prinzip funktioniert. \u201eWenn ich mit diesem Hammer auf diesen Nagel schlage, dann dringt er ins Holz.\u201c<\/p>\n<p>Erleuchtung entzieht sich aber dieser Methode, wobei wir wieder bei Mu w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Was also ist es, das wirkt?<br \/>\nWir kennen den Begriff Abhyasa. Er bedeutet Praxis, \u00dcbung. Ich erinnere mich an ein Gespr\u00e4ch mit meinem Guru an einem sonnigen Nachmittag, an dem Rascheln der Palmbl\u00e4tter durch die Stille drang. Er sagte: \u201eEverything contributes. No one knows, what part of the puzzle leads to that or that.\u201c Auf deutsch: \u201eAlle Erfahrungen tragen zu einem Pers\u00f6nlichkeitswachstum bei.\u201c<\/p>\n<p>Es kommt noch eines hinzu, n\u00e4mlich Swadhyaya, ungen\u00fcgend \u00fcbersetzt mit Selbststudium. Swadhyaya \u2013 Abhyasa bedeutet, dass man \u00fcber einen langen Zeitraum mit immer wieder kehrendem Interesse durch Lesen, Studieren von philosophischen Texten und Nachdenken seine Erfahrungen in einen yogischen Kontext setzt, also durch geistiges \u00dcben ein Puzzleteilchen zum anderen f\u00fcgt. Da k\u00f6nnen Pausen dazwischen sein, Zweifel auftreten, aber auch das Reflektieren des sogenannten Versagens geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p>Wir kennen alle die schlauen Spr\u00fcche: \u201eSchieb&#8216; den Fluss nicht an, er flie\u00dft von alleine, sei absichtslos &#8230;\u201c Aber nat\u00fcrlich w\u00fcrden wir den verdammten Fluss liebend gern anschieben \u2013 wenn wir k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ich hatte in diesen vierzig Jahren viermal das Privileg, Samadhi &#8211; Erfahrungen zu erleben. Sie kamen einfach so, in Situationen, in denen ich sie nicht erwartete. Diese Erfahrungen kann ich nicht wiederholen. Da wird deutlich, wenn es hei\u00dft: \u201eEs geschieht\u201c. Ich kann mich nur erinnern, aber das ist nicht dasselbe wie Erleben. Man kann zwar in Worten ausdr\u00fccken, was erfahren wird, etwa: Es gibt kein Sterben oder alles ist gut, es gibt keinen Grund f\u00fcr irgendwelche \u00c4ngste. Oder auch das Erleben eines Gef\u00fchls tiefster Geborgenheit. Aber all das sind nur Worte.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler fragten mich fr\u00fcher immer: \u201eMachst du jeden Tag Yoga?\u201c Sie meinten damit Asanas. Ich sagte dann: \u201eIch mache immer Yoga.\u201c Gemeint ist damit Abhyasa und Swadhyaya, auch wenn das Leben mal wieder &#8222;eines der Schwersten&#8220; ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor ziemlich genau 40 Jahren mit Yoga anfing, fiel mir der damalige spirituelle Bestseller: \u201eDie drei Pfeiler des Zen\u201c von Philip Kapleau in die H\u00e4nde. Es ist ein Werk, das das Zen in Theorie und Praxis beschreibt, unter anderem das Koan. 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