{"id":1461,"date":"2019-03-09T18:17:40","date_gmt":"2019-03-09T17:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1461"},"modified":"2019-03-09T18:40:45","modified_gmt":"2019-03-09T17:40:45","slug":"faschismus-in-gruen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/03\/09\/faschismus-in-gruen\/","title":{"rendered":"Faschismus in Gr\u00fcn"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1463\" aria-describedby=\"caption-attachment-1463\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1463\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PICT0471-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PICT0471-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PICT0471-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PICT0471-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1463\" class=\"wp-caption-text\">Digital StillCamera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vorgestern kam im NDR der Film Wadjda aus Saudi &#8211; Arabien. Dieser Film hat mich so ber\u00fchrt, dass ich ihn gar nicht ganz ansehen konnte. Ein kleines M\u00e4dchen tr\u00e4umt vom Fahrradfahren auf einem gr\u00fcnen Fahrrad, das sie beim H\u00e4ndler stehen sieht. Tragisch ist, dass M\u00e4dchen in Saudi &#8211; Arabien nicht Fahrrad fahren d\u00fcrfen.<!--more--> Der Film ist von 2012. Vielleicht ist es inzwischen erlaubt. Mittlerweile d\u00fcrfen Frauen ja auch Auto fahren, nicht weil man sie als Individuen respektiert, sondern weil man sie auf dem Arbeitsmarkt braucht. Aus \u00c4gypten habe ich eine Rundfunkreportage geh\u00f6rt, die vom sehnlichen Wunsch eines M\u00e4dchens vom Motorrollerfahren handelte, weil sie damit den zudringlichen Blicken und Grapschen der M\u00e4nner auf ihrem Weg durch Kairo aus dem Weg gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch gut an Bilder und Interviews vom Kairoer Tahrirplatz. Junge M\u00e4dchen an der Seite junger M\u00e4nner, die fr\u00f6hlich ihrer Hoffnung Ausdruck gaben, endlich der religi\u00f6sen und politischen Unterdr\u00fcckung entfliehen zu k\u00f6nnen. Wenig sp\u00e4ter hat sich der Platz in eine St\u00e4tte der Vergewaltigung und sexuellen Bel\u00e4stigung verwandelt.<\/p>\n<p>In Deutschland hat sich allein Alice Schwarzer deutlich in der Kopftuchdebatte positioniert und es als Symbol der Unterdr\u00fcckung definiert. Das hat von Seiten der Gr\u00fcnen und der Linken, die sich in ihren Positionen diesbez\u00fcglich kaum unterscheiden, einen Protestaufschrei hervorgerufen. Da fielen Worte wie Diskriminierung, Ausgrenzung, Recht auf Religionsaus\u00fcbung usw.<\/p>\n<p>Wer Frauen in seiner Familie hat, wei\u00df, was sie f\u00fcr ein Ged\u00f6ns mit ihren Haaren machen. Sie sind genuiner Teil der weiblichen Identit\u00e4t. Das Kopftuch ist ein Symbol der Herrschaft der M\u00e4nner \u00fcber die Frauen. Wenn jetzt muslimische Frauen und M\u00e4dchen freiwillig ein Kopftuch tragen, so ist das m. E. eher deswegen, weil es identit\u00e4tsstiftend in einer Umwelt ist, zu der man sich im Grunde nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlt und die einen auch nicht als zugeh\u00f6rig sieht, auch wenn der unselige Bundespr\u00e4sident Wulff den Islam als zu Deutschland zugeh\u00f6rig postulierte.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es gen\u00fcgend Untersuchungen aus islamischen L\u00e4ndern weltweit, dass die Religion als das einzige Intakte in einer ansonsten katastrophalen Umwelt als Zuflucht gilt. Die muslimischen L\u00e4nder, in denen gesellschaftliche Gleichheit, Rechtssicherheit, wirtschaftliche Stabilit\u00e4t usw. herrschen, kann man an einer Hand abz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Bis vor einigen Jahren kamen Impulse f\u00fcr die Gleichstellung von Frauen, f\u00fcr das Recht auf den eigenen K\u00f6rper, f\u00fcr die sexuelle Freiheit usw. haupts\u00e4chlich aus dem gr\u00fcnen und linken Lager. Mittlerweile wird der als rechtsradikal tituliert, wenn er nicht r\u00fcckhaltlos f\u00fcr die Zuwanderung aus muslimischen L\u00e4ndern ist, in denen Frauen eben gerade nicht gleichberechtigt sind.<\/p>\n<p>Mir ist vollkommen klar, dass ich mich mit diesen S\u00e4tzen der Gefahr aussetze, mit Nazi tituliert zu werden. Und dies bringt mich zu meinem eigentlichen Thema.<\/p>\n<p>In einem Buch (der Titel ist mir entfallen) \u00fcber Fleischkonsum war zu lesen, dass das massenhafte T\u00f6ten in Schlachth\u00f6fen selbst f\u00fcr Hartgesottene nicht leicht ist. Um die Gewalt, die dort herrscht, m\u00f6glich zu machen, muss man die Opfer diskriminieren. Denn eine \u201ebl\u00f6de Sau\u201c oder eine \u201edumme Kuh\u201c kann man leichter killen als ein s\u00fc\u00dfes L\u00e4mmchen. Das funktioniert auch in Humangesellschaften. Wen man beschimpfen kann, mit dem muss man sich nicht inhaltlich auseinandersetzen. Das wussten schon die Nazis. Um den Holocaust durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, mussten die Juden erst als h\u00e4ssliche, geldgierige W\u00fcstlinge, die heimlich bei dunklen Ritualen die heilige Hostie missbrauchten, diskriminiert werden.<\/p>\n<p>Ich geh\u00f6re zu den sog. Alt- 68ern, die daf\u00fcr k\u00e4mpften, die verkrusteten, autorit\u00e4ren Strukturen aus den 50er Jahren aufzubrechen. Unsere \u201eSchlachtfelder\u201c waren der Kampf gegen die NPD, Brockdorf, Notstandsgesetze ( hey, was&#8217;n das?) usw. Aus dieser Bewegung (Apo) entwickelten sich die Gr\u00fcnen. Heute finde ich es teilweise erschreckend, was daraus geworden ist. Den Gr\u00fcnen ist es gelungen, die Meinungshoheit \u00fcber alle Parteigrenzen hinweg zu erringen. Das Klima des Miteinanders ist unduldsamer geworden. Das fr\u00fcher wirksame Korrektiv der Medien existiert nur noch rudiment\u00e4r weil alle das Gleiche schreiben.<\/p>\n<p>Da die Menschen das merken, stellen sie das Lesen von Zeitungen ein, was zu noch mehr Abschreiben voneinander f\u00fchrt, weil massenweise Redaktionen verkleinert werden.<\/p>\n<p>Wer die massenhafte, unkontrollierte Zuwanderung aus v\u00f6llig inkompatiblen Kulturen, die Abschaffung und Umdeutung der deutschen Kultur, die Gentrifizierung von Sprache und Gesellschaft, den Ausstieg aus Kohle und Atomenergie und neuerdings mit gro\u00dfer Vehemenz den Klimawandel kritisch hinterfragt, setzt sich gesellschaftlicher Diskriminierung und Sanktion aus.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen las ich ein Interview von zwei Berliner Grundschullehrerinnen. Es herrschen teilweise katastrophale, gewaltt\u00e4tige Zust\u00e4nde an den Schulen. Wenn ein Kind aus einer Migrantenfamilie nicht f\u00fcr das Gymnasium als geeignet befunden wird, kann es schon sein, dass V\u00e4ter handgreiflich werden.<\/p>\n<p>Die beiden P\u00e4dagoginnen legten Wert darauf, dass ihre Namen nicht genannt werden. Angst, die eigene Meinung zu \u00e4u\u00dfern. Soweit sind wir inzwischen wieder. Eine Kita in Hamburg Ottensen hat wissen lassen, dass Indianerkost\u00fcmierung der Kinder wegen Diskriminierung einer Minderheit unerw\u00fcnscht sei. Der Gr\u00fcne Habeck forderte von A. Kramp &#8211; Karrenbauer eine Entschuldigung, weil sie sich bei einer Faschingsveranstaltung humoristisch \u00fcber die Gentrifizierung der Toiletten ge\u00e4u\u00dfert hat. Menschen allerdings, die anderer Meinung als die Gr\u00fcnen sind, k\u00f6nnen v\u00f6llig ungeniert beschimpft und l\u00e4cherlich gemacht werden.<\/p>\n<p>\u201eDas Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen k\u00f6nne, ohne die widerw\u00e4rtigste Tyrannei auszu\u00fcben. Dieses Vorrecht kommt uns von Grund auf zu; und es w\u00e4re abscheulich, dass jene, bei denen die Souver\u00e4nit\u00e4t liegt, ihre Meinung nicht schriftlich sagen d\u00fcrften&#8230;\u201c, sagte Voltaire und daf\u00fcr bin ich auch auf die Stra\u00dfe gegangen.<\/p>\n<p>Es ist ein Merkmal des Faschismus, dass man andere Meinungen neben der eigenen nicht toleriert, sondern diffamiert und \u2013 wenn man die Macht hat, auch sanktioniert. Faschismus ordnet man ziemlich selbstverst\u00e4ndlich rechts ein, aber die Meinungsdiktatur in der sozialistischen DDR war auch eine Art von Faschismus.<\/p>\n<p>Er kann rechts, links und auch gr\u00fcn sein. Und er posaunt auch nicht heraus: \u201eAlle mal herh\u00f6ren! Ich bin der Faschismus.\u201c Nein, er kommt auf leisen Sohlen. Man merkt ihn erst, wenn man vor einer Meinungs\u00e4u\u00dferung sagt: \u201eAber nennen Sie nicht meinen Namen, ich habe Angst, dass mir etwas zust\u00f6\u00dft.\u201c<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestern kam im NDR der Film Wadjda aus Saudi &#8211; Arabien. Dieser Film hat mich so ber\u00fchrt, dass ich ihn gar nicht ganz ansehen konnte. Ein kleines M\u00e4dchen tr\u00e4umt vom Fahrradfahren auf einem gr\u00fcnen Fahrrad, das sie beim H\u00e4ndler stehen sieht. 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