{"id":1446,"date":"2019-03-03T17:45:38","date_gmt":"2019-03-03T16:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1446"},"modified":"2019-03-03T17:45:38","modified_gmt":"2019-03-03T16:45:38","slug":"virtuelle-realitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/03\/03\/virtuelle-realitaet\/","title":{"rendered":"Virtuelle Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1448\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/P1060360-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/P1060360-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/P1060360-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/P1060360-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>K\u00fcrzlich bummelte ich durch den Mediamarkt, weil Technik doch irgendwie faszinierend ist und stie\u00df auf eine Gamingausr\u00fcstung, die ich so bisher nicht gesehen hatte.<\/p>\n<p>Auf einem halbkreisf\u00f6rmigen Tisch, in einer wundersch\u00f6nen blauen Farbe gehalten, stand ein ebenfalls halbkreisf\u00f6rmiger Monitor mit gut 1,3 m L\u00e4nge. Links und rechts davon gruppierten sich die Lautsprecherboxen.<!--more--><\/p>\n<p>Vor dem Ganzen stand ein Gamingchair, vielf\u00e4ltig verstellbar und ergonomisch gestaltet.<\/p>\n<p>Ich stelle mir das toll vor. Es ist Nacht, die Welt ruht. Man sitzt vor seiner Gamingstation. Die Lautsprecher oszillieren geheimnisvoll blau im Rhythmus des Geschehens auf dem Bildschirm. Die Welt drau\u00dfen existiert nicht mehr. Man sitzt bequem und warm und ist Herr des Geschehens. An sozialen Kontakten mangelt es nicht, denn diverse Partner sind am Spielprozess beteiligt und man kennt sich, wenn auch nur als Avatar.<\/p>\n<p>Kritische Gem\u00fcter, so wie ich, sagen jetzt: \u201eDas ist doch eine Kunstwelt und hat mit dem richtigen Leben doch gar nichts zu tun. Das ist doch alles nur virtual reality.\u201c<\/p>\n<p>Gewiss, gewiss, aber tun das nicht die Meisten von uns? Leben wir wirklich im \u201erichtigen Leben\u201c? Die sogenannten Realisten vor allem sind vollkommen davon \u00fcberzeugt und haben meist nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln \u00fcbrig f\u00fcr die Utopisten und Romantiker.<\/p>\n<p>Frage: \u201eWer kann sagen, dass er heute beim Spaziergang wirklich dort war, wo sein K\u00f6rper war?\u201c Ich wage jetzt mal zu behaupten, dass die Mehrzahl von uns mindestens zu zwei Dritteln der Zeit in der Vergangenheit oder in der Zukunft weilen.<\/p>\n<p>Apropos Zukunft! Denken wir jetzt mal wirklich zur\u00fcck und schauen uns die vergangenen Zukunftsprognosen an. Als die jungen M\u00e4nner von 1914 begeistert in den I. Weltkrieg marschierten, versprachen sie lachend ihren Liebchen (so nannte man das damals): \u201eSorg&#8216; dich nicht um mich, Weihnachten bin ich wieder zuhause.\u201c<\/p>\n<p>Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, waren viele \u00fcberzeugt, dass Deutschland einer goldenen Zukunft entgegen geht.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig schweben verschiedene Damoklesschwerter \u00fcber uns, vorzugsweise \u00fcber uns Deutschen. Wir sorgen uns um das Weltklima. Wir wissen ganz genau, dass wir um 2035 herum keine Kohlekraftwerke mehr brauchen und suchen unser Heil bei Wind und Sonne. Wir ignorieren, dass in 59 L\u00e4ndern 1400 neue Kohlekraftwerke im Bau oder in der Planung sind. Wir sind aber \u00fcberzeugt, dass wir das Klima retten k\u00f6nnen und sind auch bereit, unsere Autoindustrie zu ruinieren, wegen des Feinstaubs und so. Wer einmal durch Monsterst\u00e4dte wie Bombay, Chennai und Delhi gegangen ist, wei\u00df, dass die Menschen, und es sind weit mehr als wir, dort andere Sorgen haben.<\/p>\n<p>Um unsere Sorgen zu vergessen, gehen wir dann gerne in den deutschen Wald, der fr\u00fcheren Prognosen zufolge gar nicht mehr stehen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>1983 wurden im Rahmen des Nato Doppelbeschlusses Pershing II Mittelstreckenraketen in Deutschland aufgestellt, um der Bedrohung durch sowjetische SS 20 Raketen Paroli zu bieten. Damals schrieb der Journalist Hermann L. Gremlitza in der Zeitschrift Konkret, dass das Politb\u00fcro in Moskau innerhalb der n\u00e4chsten Wochen entscheiden w\u00fcrde, ob es zu einem Pr\u00e4ventivschlag ausholen w\u00fcrde, um der Bedrohung zuvor zu kommen. Ich sehe mich noch heute sorgenvoll den N\u00fcrnberger Burgberg hinauf spazieren, weil ich diese Schreibe als real nahm.<\/p>\n<p>Im Moment sind alle fest \u00fcberzeugt, dass wir durch die Einf\u00fchrung des Elektroautos gerettet werden. Mich plagen Bef\u00fcrchtungen bez\u00fcglich des Stroms, wenn nach Feierabend 50 Millionen Elektroautos aufgeladen werden m\u00fcssen. Ich hoffe, dass ich durch den Wald der daf\u00fcr erforderlichen Windr\u00e4der noch ein bisschen Natur sehen kann.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch ein ziemlich bekanntes Beispiel aus dem zwischenmenschlichen Bereich- nach Paul Watzlawick \u201eDie Geschichte vom Hammer\u201c:<\/p>\n<p>Ein Mann will ein Bild aufh\u00e4ngen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschlie\u00dft unser Mann, hin\u00fcberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon gr\u00fc\u00dfte er mich nur so fl\u00fcchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgesch\u00fctzt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich g\u00e4be es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen, blo\u00df weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht&#8217;s mir wirklich. &#8211; Und so st\u00fcrmt er hin\u00fcber, l\u00e4utet, der Nachbar \u00f6ffnet, doch bevor er \u00bbGuten Tag\u00ab sagen kann, schreit ihn unser Mann an: \u201eBehalten Sie Ihren Hammer, Sie R\u00fcpel!\u201c<\/p>\n<p>Zum Schluss stellt sich die Frage: \u201eLebt der Gamer in einer Fantasiewelt oder die, die scheinbar fest auf dem Boden der Tatsachen stehen?\u201c<\/p>\n<p>Wir leben alle in einer Traumwelt aus Vorstellungen, W\u00fcnschen, \u00c4ngsten und Bef\u00fcrchtungen. Das ist das ewige Spiel der Gunas, deren Teil wir sind.<\/p>\n<p>Wenn wir uns jeden Tag ein Viertelst\u00fcndchen absichtslos hinsetzen w\u00fcrden, um unserem Atem zu lauschen (nicht um ihn zu regulieren), k\u00f6nnte das recht hilfreich sein, etwas Distanz zu gewinnen. Es lohnt sich, denn eine andere Welt k\u00f6nnte sich zeigen. Die reale.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich bummelte ich durch den Mediamarkt, weil Technik doch irgendwie faszinierend ist und stie\u00df auf eine Gamingausr\u00fcstung, die ich so bisher nicht gesehen hatte. Auf einem halbkreisf\u00f6rmigen Tisch, in einer wundersch\u00f6nen blauen Farbe gehalten, stand ein ebenfalls halbkreisf\u00f6rmiger Monitor mit gut 1,3 m L\u00e4nge. 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