{"id":1407,"date":"2019-02-06T17:36:03","date_gmt":"2019-02-06T16:36:03","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1407"},"modified":"2019-02-06T17:40:57","modified_gmt":"2019-02-06T16:40:57","slug":"das-weltbild-des-yoga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2019\/02\/06\/das-weltbild-des-yoga\/","title":{"rendered":"Das Weltbild des Yoga"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1409\" aria-describedby=\"caption-attachment-1409\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1409\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_20190206_164945-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_20190206_164945-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_20190206_164945-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1409\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Weltbild des Yoga basiert auf der dualistischen Samkhyaphilosophie. Dualistisch bedeutet, dass von zwei v\u00f6llig getrennten und unterschiedlichen Wesenheiten ausgegangen wird, aus denen die Welt besteht. Das Samkhya ist eines der sechs Systeme der brahmanischen Philosophie.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Purusa \u2013 Der wahre Mensch<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Wesenheit wird mit Purusa bezeichnet. Das bedeutet Mensch. Wir verstehen darunter den innersten Wesenskern eines jeden Menschen. Seine innerste Seele. Purusa ist absolut statisch, seit Ewigkeit in sich ruhend, losgel\u00f6st von allem und von nichts ber\u00fchrbar. Er hat kein Verlangen, nach was auch immer. F\u00fcr ihn gibt es kein Suchen und kein Streben. Er ist in sich vollkommen , von Beginn an, f\u00fcr alle Ewigkeit. In unserer Kultur kommt der Begriff \u201dSeele\u201d dem am n\u00e4hesten, was wir uns unter Purusa vorstellen k\u00f6nnen. Jedes lebende Wesen besitzt einen Purusa.<\/p>\n<p>Wenn wir \u201dIch\u201d sagen, meinen wir normalerweise unseren Organismus, der aus K\u00f6rper und Psyche besteht. Das Ziel allen Yogas ist, den Purusa als unser wahres, vollkommenes Ich wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Stelle dir den Purusa als einen Diamanten vor, glasklar, hell strahlend und ohne jede Farbe. Er ist umh\u00fcllt von Schleiern farbigen Lichts. Dadurch erscheint er selbst farbig. Tats\u00e4chlich jedoch reflektiert er das Licht nur. Die Schleier sind unsere nie ruhenden Gedanken, gespeist aus einer unendlichen Zahl von Sinneseindr\u00fccken. Ohne das Licht des Diamanten w\u00e4ren die Farben nicht sichtbar. \u00dcbersetzt hei\u00dft das, dass eine stoffliche Existenz ohne Seele nicht m\u00f6glich ist. Der Purusa ist also die Quelle unseres Denkens, unserer Existenz. Indem er aber die Farben der Welt der Sinne reflektiert, erscheint er uns identisch mit ihnen. Das ist der Grund, weswegen wir ihn, unser wahres Selbst, nicht erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was aber hat es mit den farbigen Schleiern auf sich? Woraus bestehen sie? Was ist ihr Wesen? Wir wollen uns jetzt das andere Grundprinzip anschauen.<\/p>\n<p><strong>Die Gunas \u2013 oder der Tanz der Schleier<\/strong><\/p>\n<p>Die zweite Wesenheit ist Prakrti. Das hei\u00dft: das Zuerst-Gemachte. Prakrti ist das, was wir als Sch\u00f6pfung wahrnehmen. Man k\u00f6nnte auch Materie \u00fcbersetzen. Sie ist in st\u00e4ndiger Bewegung, in immerw\u00e4hrendem Werden und Vergehen. In der indischen Mythologie ist dies sehr sch\u00f6n dargestellt in der Gestalt des Shiva Nataraja, des tanzenden Shiva. Shiva rep\u00e4sentiert den g\u00f6ttlichen Aspekt des Vergehens und Neuentstehens. Als Nataraja durchtanzt er die Sch\u00f6pfung, zerst\u00f6rt und erschafft fortw\u00e4hrend neu und bleibt selbst, ein ewiges L\u00e4cheln auf den Lippen, unber\u00fchrt davon. Er symbolisiert den Purusa, ewig, in sich selbst ruhend. Seine weibliche, tanzende Seite, Shakti, ist vergleichbar mit Prakrti. Sie ist in immerw\u00e4hrender Bewegung, dem Tanz des Erschaffens und Ersterbens. In diesem Bild erg\u00e4nzen sich das m\u00e4nnliche und weibliche Moment.<\/p>\n<p>Was du da siehst, ist das Leben in all seiner Farbigkeit und mit den H\u00f6hen und Tiefen, dem Gl\u00fcck und dem Leid.<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht manchmal w\u00fcnschenswert, das ganze Drama mit ein wenig Distanz betrachten zu k\u00f6nnen, sich seines Purusa, seines inneren, vollkommenen Menschen bewusst zu sein?<\/p>\n<p>Ich sagte oben schon, dass es das Ziel des Yogas ist, sich seiner wahren, vollkommenen Natur bewusst zu werden. Dann h\u00f6rt alles K\u00e4mpfen, alles Rasen und Streben auf, weil es nichts mehr zu erstreben gibt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es nun unz\u00e4hlige Purusas gibt, die zwar gleichartig aber nicht identisch sind, gibt es nur eine Prakrti.<\/p>\n<p>Sie setzt sich zusammen aus drei verschiedenen Qualit\u00e4ten. Diese drei Qualit\u00e4ten sind in allem was existiert.<\/p>\n<p>Die erste dieser Qualit\u00e4ten ist Sattva, das Reine, das Klare, das Erkennende. Wenn du z.B. in einem Zustand von hoher Wahrnehmungsf\u00e4higkeit bist, vollkommen wunschlos ohne das st\u00e4ndige \u201eich will &#8220; und \u201eich muss&#8220;. Du bist nicht tr\u00e4ge oder m\u00fcde, sondern hellwach, dann dominiert in diesem Moment das Sattva-Prinzip oder, wie die Yogis sagen, das Sattvaguna. Das Wort Guna bedeutet Schnur, Strick oder Faden. Wie in einem Seil drei Schn\u00fcre miteinander verdreht sind, so sind in jedem Existierenden auch die drei Gunas oder Grundqualit\u00e4ten vertreten.<\/p>\n<p>Das zweite Prinzip ist Rajas, das Ver\u00e4nderliche. Rajas bedeutet Staub. Es ist der Drang, t\u00e4tig zu werden, etwas zu bewirken, zu handeln. Es tr\u00fcbt das reine Bewusstein des Sattvaguna und legt sich wie Staub vor die reine Erkenntnisf\u00e4higkeit. Rajas holt dich aus der klaren sattvischen Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Das dritte Guna ist Tamas, das Tr\u00e4ge, Dunkle, Beharrende.<\/p>\n<p>Mutlosigkeit, Gef\u00fchle von Schw\u00e4che und Minderwertigkeit, geistige und k\u00f6rperliche Tr\u00e4gheit, Faulheit usw. sind Ausdruck von Tamas. Es ist das Schwere in uns, das was uns hinter dem Ofen h\u00e4lt, wenn sich ein Teil in uns gerne den Wind um die Nase wehen lassen m\u00f6chte. Dann kommen Gedanken, dass es ja doch keinen Sinn hat, mal was Neues zu probieren und man sowieso nicht gut genug ist. Du kennst das alles. Tamas zieht nach unten und h\u00e4lt zur\u00fcck. In einem Fu\u00dfbodenbelag aus Marmorplatten dominiert auch Tamas. Aber es ist auch Rajas vorhanden, sonst w\u00fcrden die Platten ewig halten. Selbst Sattva ist in winziger Menge, unmerklich vorhanden.<\/p>\n<p>Alle drei Gunas sind also st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Auch wenn immer eines gerade dominiert, so liegt es in ihrer Natur, dass eines der beiden anderen danach dr\u00e4ngt, die Oberhand zu gewinnen.<\/p>\n<p>Aus \u201eDas Yogalehrbuch\u201c, Gerhard Pflug, Schirner Verlag 2004<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Weltbild des Yoga basiert auf der dualistischen Samkhyaphilosophie. Dualistisch bedeutet, dass von zwei v\u00f6llig getrennten und unterschiedlichen Wesenheiten ausgegangen wird, aus denen die Welt besteht. 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