{"id":1362,"date":"2018-12-17T20:16:21","date_gmt":"2018-12-17T19:16:21","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1362"},"modified":"2018-12-20T19:13:06","modified_gmt":"2018-12-20T18:13:06","slug":"existenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/12\/17\/existenz\/","title":{"rendered":"Existenz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1364\" aria-describedby=\"caption-attachment-1364\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1364\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181204_181940-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181204_181940-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181204_181940-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181204_181940-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1364\" class=\"wp-caption-text\">oznor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer der wenigen Vorz\u00fcge des Alters ist, dass man \u00fcber eine l\u00e4ngere Strecke zur\u00fcckblicken kann als J\u00fcngere. Vor f\u00fcnfzig Jahren sah die Welt und die Sicht auf die selbige ganz anders aus. Den Begriff \u201eUmwelt\u201c gab es nicht. Politisch war der Weg klar. Er ging zu immer mehr \u201eDemokratie wagen\u201c, wie Willy Brandt sagte. Alle machten sich mit Blumen im Haar auf den Weg nach San Francisco, auch wenn das nur ein Hippieschuppen in der n\u00e4chsten Stadt war.<!--more--><\/p>\n<p>Die Welt war im kalten Krieg, aber man vertraute auf das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den beiden Gro\u00dfm\u00e4chten.<\/p>\n<p>Damals konnte man auch noch ganz einfach den Entschluss fassen, nach Afghanistan oder durch Nordafrika zu fahren. Man konnte unbesorgt im Schlafsack am Stra\u00dfenrand \u00fcbernachten. Das einzige, was passierte war, dass morgens einige Dorfbewohner um einen herum standen.<\/p>\n<p>Auch die folgenden zwei Jahrzehnte waren sorgenlos. Dann ging es langsam los. Den Beginn bildete das Waldsterben. Die Angst kam auf, dass in einigen Jahrzehnten nur noch traurige Baumgerippe in einen schwefligen Himmel ragen w\u00fcrden. Als ich Ende der Siebziger meinen Garten anlegte, holte ich mir aus einer nahe gelegenen Landkommune einen Berater. Er sagte damals, wenn die B\u00f6den weiter verdichtet w\u00fcrden, w\u00fcrde in zwanzig Jahren das Bodenleben zerst\u00f6rt sein und nichts mehr wachsen. Das w\u00e4re jetzt vor zwanzig Jahren gewesen.<\/p>\n<p>Der Wald steht noch. Die Felder sind immer noch fruchtbar und das Ozonloch hat sich mittlerweile wieder geschlossen. Wir haben den Rinderwahnsinn \u00fcberstanden. Mittlerweile wird von der R\u00fcckkehr der gro\u00dfen Seuchen, wie der Pest und der Tuberkulose geredet. Inzwischen haben wir die Feinstaubbelastung durch die Diesel in den St\u00e4dten und die USA und Russland r\u00fcsten wieder auf. Inzwischen mischen die Chinesen auch noch mit.<\/p>\n<p>An eine Fahrt nach Afghanistan denkt keiner mehr und durch Nordafrika w\u00fcrde ich auch nicht mehr fahren. In der Stille der Sahara lauern die Islamisten und nicht nur dort. Die sch\u00f6nen Buddha- Statuen von Bamiyan wurden von den Taliban in sinnloser Verblendung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Fast h\u00e4tte ich jetzt den Klimawandel vergessen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Menschen schwebt das Damoklesschwert der Vernichtung. Wie damit umgehen? Sollen wir uns der Angst hingeben oder dem Zynismus? Beides tut unserer Seele nicht gut.<\/p>\n<p>Ein Zenmeister wurde einmal gefragt, was denn der Unterschied zwischen einem Nichterleuchteten und einem Erleuchteten sei? Die Antwort: \u201eDer erstere steht morgens auf, putzt sich die Z\u00e4hne und geht zur Arbeit und der Erleuchtete steht morgens auch auf, putzt sich die Z\u00e4hne und geht zur Arbeit&#8230;\u201c \u201eKapiert?\u201c<\/p>\n<p>Ich bin neulich nach Jahrzehnten mal wieder auf den Existentialismus gesto\u00dfen, auf Namen wie Sartre und Camus. Hier wird ganz deutlich ausgesprochen, dass wir in einer absurden Welt leben, in einer sinnlosen Welt. Wir fragen ob der ganzen Katastrophen und des nie endenden Leidens sowohl bei uns selbst als auch in der Welt, warum? Was hat das f\u00fcr einen Sinn? Die Halbreligi\u00f6sen klagen Gott an und schleudern ihm das \u201eWarum?\u201c entgegen. Ich gebrauche diesen seltsamen Ausdruck deswegen, weil die wahren Gl\u00e4ubigen in allem den \u201eWillen des Herrn\u201c sehen.<\/p>\n<p>Die Welt gibt keine Antwort und Gott auch nicht! Das ist Fakt und das ist zu akzeptieren. Es geht somit um das Aushalten der Verzweiflung ohne zu verzweifeln und die Akzeptanz der Abwesenheit jeder Hoffnung. Nur wer die Hoffnung aufgibt, ist frei, sagt Camus. Der Existenzialist existiert von Moment zu Moment. Er beklagt nicht die Absurdit\u00e4t des Weltgeschehens und wird dadurch frei. Das hat nichts mit Resignation zu tun.<\/p>\n<p>Was uns ungl\u00fccklich macht, ist der verzweifelte Versuch, die Absurdit\u00e4t der Welt zu verstehen und die Hoffnung, dass wir irgendwann eine, unsere Vernunft befriedigende Antwort bekommen.<\/p>\n<p>Hier treffen wir wieder auf das Zen, wie in dem obigen Beispiel gezeigt. Der Unterschied liegt nicht im Tun, sondern darin, dass der Erleuchtete zwar dasselbe tut, aber ganz und ausschlie\u00dflich. Auch der Buddha warnte seine J\u00fcnger davor, nach Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Dasein zu suchen.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Volksmund wei\u00df ebenfalls Rat: \u201eLebe jeden Moment als wenn es dein letzter w\u00e4re!\u201c Im Yoga kennen wir die Technik des Karma &#8211; Yoga: \u201eHandle, ohne nach den Fr\u00fcchten zu schielen.\u201c Wir sind in eine Welt geboren, die wir nicht verstehen. Wandel findet in jeder Sekunde statt. Die Frage, warum das so ist, bringt uns nicht weiter, also sollten wir aufh\u00f6ren, sie zu stellen. Das hei\u00dft nicht, dass wir mit allem einverstanden sein m\u00fcssten. Wenn wir aufgrund einer dieser Wandlungen anderer Meinung sind, ist es vern\u00fcnftig, dagegen zu k\u00e4mpfen. Es ist jedoch nicht vern\u00fcnftig, zu fragen, warum das \u00fcberhaupt passiert. Es passiert eben! Nennen wir es Karma oder Schicksal oder Fatum oder sonst was.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der wenigen Vorz\u00fcge des Alters ist, dass man \u00fcber eine l\u00e4ngere Strecke zur\u00fcckblicken kann als J\u00fcngere. Vor f\u00fcnfzig Jahren sah die Welt und die Sicht auf die selbige ganz anders aus. Den Begriff \u201eUmwelt\u201c gab es nicht. Politisch war der Weg klar. Er ging zu immer mehr \u201eDemokratie wagen\u201c, wie Willy Brandt sagte. 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