{"id":1335,"date":"2018-11-20T18:18:41","date_gmt":"2018-11-20T17:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1335"},"modified":"2018-11-20T18:18:41","modified_gmt":"2018-11-20T17:18:41","slug":"gut-oder-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/11\/20\/gut-oder-boese\/","title":{"rendered":"Gut oder b\u00f6se?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1330\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/P1040187-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/P1040187-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/P1040187-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/P1040187.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Neulich sah ich den preisgekr\u00f6nten Film: \u201eSlumdog Million\u00e4r\u201c zum zweiten Mal. Obwohl ich Indien recht gut kenne, war ich diesmal mehr geschockt als beim ersten Betrachten. Ein hartes Land mit erbarmungslosen Lebensbedingungen, grausam und brutal und unsagbar dreckig. Eigentlich ist fast das ganze Land eine M\u00fcllkippe.<\/p>\n<p>Vor Jahren las ich w\u00e4hrend eines Aufenthalts in Delhi in den Leserbriefen der Times of India zu Neujahr die Klage \u00fcber zu wenig Verantwortung im \u00f6ffentlichen Bereich. Der Tenor war, dass man resigniert feststellte, dass man im privaten Bereich zwar auf Sauberkeit achtet, im \u00f6ffentlichen Bereich aber vollkommen gleichg\u00fcltig ist. Leider sei das wohl so. Karma, Schicksal, wer wei\u00df?<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Film. Es geht um zwei kleine Jungen und ein kleines M\u00e4dchen aus einem der riesigen Slums von Mumbai. Der eine der beiden, Jamal verliebt sich unsterblich in Latika. Alle drei gehen ihren Weg durch den indischen \u00dcberlebenskampf. Sie werden getrennt, aber Jamal ist immer auf der Suche nach Latika. Der \u00e4ltere der Br\u00fcder, Salim, wird immer wieder zum Besch\u00fctzer des J\u00fcngeren. Er kann mit seinen F\u00e4usten und sp\u00e4ter mit der Waffe gut umgehen. Obwohl er in den Diensten eines Unterweltbosses die Liebenden, nachdem sie sich wieder gefunden hatten, trennte, weil dieser sie inzwischen zu seiner Sklavin oder Geliebten gemacht hatte, opfert er sich<\/p>\n<p>aber letztlich, damit Latika fliehen kann. Er erschie\u00dft den Boss und wird dabei selbst get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Die Liebenden gehen mit sechzehn Millionen Rupien im Geldbeutel einer hellen Zukunft in Gl\u00fcck und Reichtum entgegen.<\/p>\n<p>Die Sympathien im Film liegen bei dem sanften Jamal. Er ist der Gute, ruhig, zur\u00fcckhaltend und anst\u00e4ndig. Salim ist anders. Er ist der K\u00e4mpfer, er ist brutal. Er hat Fighterqualit\u00e4ten. Mit diesen F\u00e4higkeiten landet man nicht im Callcenter, sondern in der Gang eines Mafiosis.<\/p>\n<p>Die Frage, die mich seit gestern besch\u00e4ftigt, ist: Was w\u00e4re aus den beiden \u201eGuten\u201c geworden, wenn der \u201eB\u00f6se\u201c sich nicht geopfert h\u00e4tte und den noch B\u00f6seren umgelegt h\u00e4tte? Die Antwort, dass in jedem B\u00f6sewicht auch ein Funken Gutes steckt, greift zu kurz.<\/p>\n<p>Um letztlich als Retter auftreten zu k\u00f6nnen, muss Salim ebendiese K\u00e4mpferf\u00e4higkeiten haben, die dazu erforderlich sind. Dazu bedarf es gewisser Charaktereigenschaften wie Skrupellosigkeit, Aggressivit\u00e4t und eine ger\u00fcttelt Ma\u00df an Brutalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein Weichei h\u00e4tten dem Paar nicht zur Freiheit verhelfen k\u00f6nnen. Ebenso h\u00e4tte der brave, sanfte Jamal Latika nicht aus den brutalen F\u00e4ngen des Gangsters retten k\u00f6nnen. Erhielt also Salim vom Schicksal diese Eigenschaften, um den Sanften zum Gl\u00fcck zu verhelfen?<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Judas. Er gilt seit 2000 Jahren als die Inkarnation des Schurken, weil er den Herrn verraten hat. Was aber w\u00e4re gewesen, wenn er das nicht gemacht h\u00e4tte? Die ganze Heilsgeschichte h\u00e4tte nicht stattgefunden. Zudem wusste Jesus um Judas&#8216; Vorhaben, wie wir in Johannes, Kap.13 lesen:<\/p>\n<p>\u201e&#8230;Diesem winkt nun Simon Petrus, dass er forschen m\u00f6chte, wer es sei, von dem er rede. Da lehnt sich jener an die Brust Jesu und spricht zu ihm: Herr, wer ist&#8217;s? Jesus antwortet: Der ist&#8217;s, dem ich den Bissen eintauchen und geben werde. Und er taucht den Bissen ein und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Ischariot. Und nach dem Bissen, da fuhr der Satan in ihn. Da spricht Jesus zu ihm: Was du tun willst, das tue bald! Das aber verstand keiner von denen, die zu Tische sa\u00dfen, wozu er es ihm sagte. Denn etliche meinten, weil Judas den Beutel hatte, sagte Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Feste bed\u00fcrfen; oder er solle den Armen etwas geben. Da nun jener den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht.\u201c<\/p>\n<p>Hier wird bereits deutlich, dass sich an der Gestalt des Judas Ischariot eine Menge zentraler Fragen der christlichen Lehre b\u00fcndeln: Ist das Schicksal aller Menschen &#8211; einschlie\u00dflich ihrer Erl\u00f6sung oder Verdammnis &#8211; vorherbestimmt? Oder hatte Jesus den Judas dem Satan und der Verdammnis preisgegeben? Oder galt seine Zusage auch dem Judas, dem eben eine besondere und besonders tragische Rolle im Ostergeschehen zukam? Und schlie\u00dflich: Wusste Judas, was auf sie beide zukam? (Michael Blume, 2012)<\/p>\n<p>Judas also nicht der Verr\u00e4ter, sondern der Erf\u00fcller? Letztlich landen wir bei der Pr\u00e4destination.<\/p>\n<p>Bei Wikipedia hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<p>\u201ePr\u00e4destination (lateinisch praedestinatio) bedeutet Vorherbestimmung und ist ein theologisches Konzept, dem zufolge Gott von Anfang an das Schicksal der Menschen vorherbestimmt hat.[1] Insbesondere geht es dabei um eine Erw\u00e4hlung einzelner Seelen zum ewigen Leben oder zu ewiger Verdammnis. Hintergrund stellt die menschliche Annahme dar, dass Gott \u00fcber ihn als Gattungswesen erhaben und jenseitig sei. Der Sch\u00f6pfer sei von seiner Sch\u00f6pfung qualitativ abgehoben, Gott stehe \u00fcber der Wirklichkeit der Sch\u00f6pfung, selbst in Jesus und dem Abendmahl, wo er sich mit diesem verb\u00e4nde. Die Niedrigkeit des Menschen vor dem erhabenen Gott kommt auch durch die Lehre von der Pr\u00e4destination zum Ausdruck. Das Heil erlangt, wer von Gott zum Heil vorherbestimmt ist.\u201c<\/p>\n<p>Was also bleibt zu sagen? Nichts ist, wie es scheint!<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich sah ich den preisgekr\u00f6nten Film: \u201eSlumdog Million\u00e4r\u201c zum zweiten Mal. Obwohl ich Indien recht gut kenne, war ich diesmal mehr geschockt als beim ersten Betrachten. Ein hartes Land mit erbarmungslosen Lebensbedingungen, grausam und brutal und unsagbar dreckig. Eigentlich ist fast das ganze Land eine M\u00fcllkippe. 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