{"id":1320,"date":"2018-11-18T19:03:24","date_gmt":"2018-11-18T18:03:24","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1320"},"modified":"2018-11-18T19:03:24","modified_gmt":"2018-11-18T18:03:24","slug":"die-sache-mit-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/11\/18\/die-sache-mit-gott\/","title":{"rendered":"Die Sache mit Gott"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1322\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20181112_161554-EFFECTS-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20181112_161554-EFFECTS-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20181112_161554-EFFECTS-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Die Szene ist einigerma\u00dfen makaber. Der Feldgeistliche steht vor den zum Angriff angetretenen Truppen und ruft den Beistand Gottes f\u00fcr die bevorstehende Schlacht herbei. Gott mit uns! Auf der anderen Seite geschieht genau das Gleiche. Gott mit uns und der gerechten Sache!<!--more--><\/p>\n<p>Konstantin dem Gro\u00dfen erschien die Vision des Kreuzes vor der Schlacht an der Milvischen Br\u00fccke gegen seinen Widersacher Maxentius im Jahre 312. Ihr verdankte er den Sieg \u00fcber den Feind, so glaubte er.<\/p>\n<p>Was wurde mit dem armen Maxentius? Er hatte wohl einfach aufs falsche Pferd gesetzt! Wie kann es das aber geben, da es doch nur einen Gott gibt? Ich sehe ja noch ein, dass Gott eventuell etwas sauer war, dass sich Maxentius an die Konkurrenz (die es ja eigentlich nicht gibt) wandte. Aber die tausende von M\u00e4nnern, die sich der Entscheidung einfach beugen mussten, weil sie nun mal in Maxentius&#8216; Heer waren. Selber schuld, h\u00e4tten sich halt vorher informieren sollen.<\/p>\n<p>Kann sein, dass mich manche heute f\u00fcr zu kritisch und def\u00e4tistisch halten. Ich bin aber noch nicht fertig. Bei uns in der christlichen Religion wird erwartet, dass wir jeden Tag, an dem es uns gut geht und wir nicht vom Fahrrad fallen, dankbar sind, denn \u2013 das ist ein Geschenk Gottes \u2013 alles Gute kommt von ihm. Was ist aber mit dem Schlechten oder sagen wir mal pr\u00e4ziser, dem sogenannten Schlechten? Sogenannt deswegen, weil das ja kleine g\u00f6ttliche Hinweise sind, mit denen er uns sanft zu unserem wahren Gl\u00fcck hinlenkt. Laut Hiob m\u00fcssen wir also auf jeden Fall dankbar sein.<\/p>\n<p>Der Mensch denkt, Gott lenkt. Jeder kennt diesen Spruch. Dahinter steckt, so kommt es mir vor, dass Gott schon wei\u00df, was f\u00fcr mich gut ist. Wo bleibt da der viel gepriesene freie Wille?<\/p>\n<p>Mir kommt es so vor, als wenn wir mit dieser Betrachtungsweise in Bezug auf Gott nicht recht weiter kommen. Wenn ich jetzt auch noch auf all die Drohungen eingehe, die ich auf mich herab beschw\u00f6re, wenn ich ungehorsam bin (was immer das ist), dann droht ewiges Schmoren in der H\u00f6lle, mindestens. Also ich habe auch Kinder, die ich wirklich liebe. Es kam schon mal vor, dass ich mich \u00fcber sie ge\u00e4rgert habe, aber sie daf\u00fcr mit ewiger Verdammnis bestrafen? Das w\u00e4re mir nicht mal im Traum eingefallen. Gott aber trauen wir das zu. Wenn ich er w\u00e4re, w\u00fcrde mich das \u00e4rgern:<\/p>\n<p>\u201eWas halten die denn von mir? Da versichere ich ihnen meine ewige Liebe und sie trauen mir so was zu! Ich h\u00e4tte gute gute Lust auf eine kleine Sintflut.\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir Gott personalisieren, erfassen wir nicht sein Wesen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren waren wir in S\u00fcdindien unterwegs und kamen auch in die Stadt Tiruvannamalai. Dort, auf dem Berg Arunachala, verbrachte der gro\u00dfe indische Heilige Shri Ramana Maharshi in einer kleinen Nische oder h\u00f6hlenartigen Zelle den Gro\u00dfteil seines Lebens. Unten in der Stadt ist auch der riesige Arunachalesvara Tempel. \u00dcber den Eingangstoren an jeder der L\u00e4ngsseiten sind riesige Gopurams (Tort\u00fcrme). Wenn man davor steht, erschauert man vor Ehrfurcht. Abends in der lauen D\u00e4mmerung hatten die Tempelh\u00f6fe eine zauberhafte Atmosph\u00e4re. Gruppen von Pilgern schlenderten herum. Familien mit Kindern waren da. Alle waren freundlich und l\u00e4chelten. Wenn es ganz dunkel wurde, sah man \u00fcberall Lampen. Manchmal sprach uns auch ein Priester an und erkl\u00e4rte uns etwas.<\/p>\n<p>\u00dcber all dem schwebte ein sich st\u00e4ndig wiederholendes Mantra: \u201eOm namah shiwaya\u201c. Es war nicht aufdringlich, etwa wie Kirchenglocken. Es waren tiefe Frequenzen, in denen es durch die Nacht schwang. Selbst als wir im Hotel waren und zum Fenster hinaussahen, konnte man es ahnen oder auch h\u00f6ren, ich war mir diesbez\u00fcglich nie sicher. Es durchdrang die ganze Stadt.<\/p>\n<p>Ich hatte damals die Empfindung, \u201edas ist Gott\u201c. Ein gro\u00dfes Schwingen, das alles durchdrang, das in allem war, aus dem alles bestand. Diesem alles Durchdringenden ist es vollkommen egal, ob Konstantin oder Maxentius gewinnt. Ob Gerhard dankbar ist oder nicht. Man kann sich diesem Schwingen \u00f6ffnen oder kann es bleiben lassen. Es ist die eigene Entscheidung. Da gibt es auch nichts zu erbitten oder zu danken, denn es ist die Sch\u00f6pfung an sich, deren Teil jedes oder jeder ist.<\/p>\n<p>Robert M. Piersig schrieb vor vierzig Jahren in seinem Buch: \u201eZen und die Kunst ein Motorrad zu warten\u201c von den \u201eeiskalten H\u00f6hen des Geistes\u201c. Dort ist man, wenn man die Kindergartenvorstellung von Gott verl\u00e4sst. Gott ist nichts Personales, welches gibt oder nimmt.<\/p>\n<p>Man steht, wenn man eine Ahnung von dem erfasst, davor und denkt: \u201eSo ist das also.\u201c Dann wird einem klar, dass es ganz alleine die eigene Entscheidung ist, mitzuschwingen oder nicht. Dem Om ist das gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Konzepte verblassen vor dieser Erkenntnis. Karma, Ewigkeit, Leben nach dem Tod. Ist das alles richtig oder falsch? Keiner wei\u00df es.<\/p>\n<p>Im Zazen sitzt man einen Meter vor einer wei\u00dfen Wand und sieht sie mit halb geschlossenen Augen an. Dieser Vorgang ist ein Symbol dessen, was ich hier zum Ausdruck bringen will.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Szene ist einigerma\u00dfen makaber. Der Feldgeistliche steht vor den zum Angriff angetretenen Truppen und ruft den Beistand Gottes f\u00fcr die bevorstehende Schlacht herbei. Gott mit uns! Auf der anderen Seite geschieht genau das Gleiche. Gott mit uns und der gerechten Sache!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die Sache mit Gott - Yoga Life Gerhard Pflug","description":"Die Szene ist einigerma\u00dfen makaber. 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