{"id":1233,"date":"2018-09-09T18:05:02","date_gmt":"2018-09-09T16:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1233"},"modified":"2018-09-09T18:10:05","modified_gmt":"2018-09-09T16:10:05","slug":"die-yamas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/09\/09\/die-yamas\/","title":{"rendered":"Die Yamas"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1236\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/h-015-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/h-015-193x300.jpg 193w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/h-015-768x1193.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/h-015-659x1024.jpg 659w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/>Die Yamas sind die Bez\u00e4hmungen. Ohne sie ist Yoga, wenn es richtig verstanden wird, und zwar in dem Sinn wie ich ihn oben beschrieben habe, nicht m\u00f6glich. Dir wird der Einschub im letzten Satz aufgefallen sein. Zugegebenerma\u00dfen kann man eine Art Yoga betreiben, ohne sich mit den Yamas zu besch\u00e4ftigen, denn die K\u00f6rpertechniken bewirken auch ohne sie, wenigstens bis zu einem bestimmten Grad, eine Steigerung der Energie und des Selbstbewusstseins. Da Yoga jedoch in dieser Form betrieben nur das Ego aufbl\u00e4ht, verfehlt es seinen Zweck und ist auf der Ebene einer sportlichen Bet\u00e4tigung anzusiedeln.<!--more--><\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcnf Yamas.<\/p>\n<p>Das erste, worauf sich die anderen vier auch in irgendeiner Form beziehen, ist Ahimsa.<\/p>\n<p>Das bedeutet, den Willen zu einer gewaltlosen, andere nicht verletzenden Lebensf\u00fchrung. Ein Yogi ist absolut gewaltlos, in jeder Beziehung, ohne R\u00fccksicht auf pers\u00f6nliche Konsequenzen. Dies nennt man das gro\u00dfe Gel\u00fcbde. Gewalt in jeder Form entspringt der Angst um die materielle Existenz. Da der Yogi all sein Streben auf den Purusa richtet, w\u00e4re es widersinnig, die materielle Existenz durch eine Anwendung von Gewalt, zum Beispiel zur Verteidigung zu sch\u00fctzen. Ist die Materie, zu der auch sein K\u00f6rper geh\u00f6rt doch nichts als ein Spiel der Gunas. Da er das pr\u00e4sente Leben lediglich als eines in einer Kette von Daseinsabschnitten sieht, er seine Existenz zudem von Karma determiniert wahrnimmt, besteht f\u00fcr ihn kein Grund, den Prozessen, die sein Leben betreffen, Widerstand entgegenzusetzen. Die Beachtung der Yamas sind eine Voraussetzung zur Schw\u00e4chung der Klesas. Erinnere dich nur an Raga, das Anhaften an lustvolle Dinge. Wie oft sind wir bereit, gewaltt\u00e4tig zu werden, um sie zu verteidigen. Dasselbe gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr alle anderen Klesas. Das Leben ist gewaltt\u00e4tig, in einem nicht moralisch zu sehendem Sinn. Wer nicht um sein \u00dcberleben k\u00e4mpft, das hei\u00dft, seine Interessen wahrt, geht unter. Das betrifft die Maus, die sich vor dem hungrigen Bussard sch\u00fctzt genauso wie dich in deiner Arbeitswelt. Auch hier musst du deine Position behaupten. Das sieht auf den ersten Blick nicht immer gewaltt\u00e4tig aus. Grunds\u00e4tzlich ist es aber ein Gegeneinander. Das \u201eIch\u201d gegen die Anderen. Dies birgt im Kern immer Gewalt. Indem der Yogi aus diesem Spiel aussteigt, setzt er der Welt der Ph\u00e4nomene bewusst einen Kontrapunkt entgegen. Diesen Gedanken des sich bewusst aus dem Leben, so wie es ist, Herausziehen, finden wir auch in allen anderen Yogatechniken. Das ist zwangsl\u00e4ufig so, will sich der Yogi doch auf die Suche einer Realit\u00e4t hinter der sinnlich wahrnehmbaren Welt begeben. Dies ist mit \u201dnormalen Mitteln nicht m\u00f6glich. Da das \u00dcberleben also immer Gewalt mit sich bringt, ist es das oberste Ziel des Yogi, nicht mehr geboren zu werden. Kurz gesprochen, dient die Praxis von Ahimsa \u00a0der Unterdr\u00fcckung der grausamen und gewaltt\u00e4tigen Tendenzen in uns Menschen; denn nur ein \u00a0aggressionsfreies Denken ist zur Meditation f\u00e4hig.<\/p>\n<p>Wenn ein Mensch in der Lage ist, seine Negativit\u00e4t zu \u00fcberwinden, dann wird er daf\u00fcr mit einer gewaltigen Akkumulation von Energie belohnt. Das hei\u00dft, er besitzt eine Ausstrahlung, die von anderen Lebewesen wahrgenommen wird. Sie empfinden keine Bedrohung und greifen ihrerseits nicht an, sondern verhalten sich zutraulich. Wir finden dieses Ph\u00e4nomen zum Beispiel in der Person des Franz von Assisi.<\/p>\n<p>Das zweite Yama ist Satya, die Wahrhaftigkeit. Es geht dabei darum, nur das auszusprechen, was man als richtig wahrgenommen hat. Das Denken der Normalmenschen ist h\u00e4ufig voller Imaginationen, W\u00fcnschen und Vorstellungen. Wir sind von Dingen \u00fcberzeugt, die sich sp\u00e4ter als falsch herausstellen. Dies wiederholt sich immer und immer wieder. Der Yogi spricht nur das aus, was er nach reiflicher \u00dcberlegung und in meditativer Versenkung als wahr erkannt hat. Da sein Denken diszipliniert ist und nicht mit Phantasien in Form von Romanen, Filmen etc. befasst ist, ist seine Wahrnehmung erheblich tiefer, n\u00e4mlich auf der Ebene der Gunas. Er besch\u00e4ftigt sich nicht mit den Ph\u00e4nomenen, sondern mit den Potentialen, die in einer Endit\u00e4t angelegt sind. Nehmen wir zum Beispiel eine Beziehung zwischen zwei Liebenden. Es liegt im Wesen einer solchen Verbindung, dass Leidenschaft eine Rolle spielt. Dies bringt die S\u00fc\u00dfe, nach der die beiden streben. Leidenschaft \u201eschafft\u201d aber auch Leid. Starke Gef\u00fchle nach der einen Seite schlagen ebenso stark nach der anderen Seite aus. Das ist ein Teil des Potentials einer Liebesbeziehung. Die Ph\u00e4nomene sind Gl\u00fccksgef\u00fchle, Verschmelzen aber auch Wut, Hass und \u00c4rger. Der Yogi wird also nicht einen der beiden schelten, weil er sich gegen den anderen \u201dgemein\u201d verh\u00e4lt. Seine Aussage wird vielmehr dergestalt sein, dass sie seine Auffassung \u00fcber das Wesen von Liebesbeziehungen wiedergibt. Das hei\u00dft, sein Handeln korrespondiert mit der inneren Wahrnehmung. Folglich dient seine Aussage in dem erw\u00e4hnten Beispiel beiden Partnern, indem sie ihnen die Augen \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Hinzu kommt bei Satya noch, dass Erkenntnisse, die Andere schmerzen oder verletzen, nicht ausgesprochen werden. Auch hier findet sich wieder das Primat der Gewaltlosigkeit. Satya erfordert ein hohes Ma\u00df an Konzentration und Wahrnehmungsf\u00e4higkeit. Insofern hat es auch einen technischen Aspekt ( die beiden genannten F\u00e4higkeiten gelten im Yoga als Techniken des Denkens).<\/p>\n<p>Steya ist das Bed\u00fcrfnis, etwas zu nehmen, was einem nicht geh\u00f6rt. Asteya ist die Eliminierung dieses Wunsches. Hier wird die Idee der Freiheit, die in der Befolgung dieses ethischen Konzepts steckt, besonders deutlich. Ein Mensch, der keinerlei Bed\u00fcrfnis hat, etwas zu besitzen, was ihm nicht zutiefst geh\u00f6rt, ist frei.<\/p>\n<p>Brahmacarya ist die Z\u00fcgelung der Sexualit\u00e4t. Es beinhaltet das Wort Brahman das Unfa\u00dfliche, das Allg\u00f6ttliche. Ein Brahman -Acarya, ein \u201eWissender um das gro\u00dfe Eine\u201d wird sich nicht in der Sexualit\u00e4t verlieren, weil sie ihn bindet. Jeder von uns wei\u00df, dass sie nicht nur begl\u00fcckt, sondern auch \u201eLeiden schafft\u201d. Das bedeutet eine St\u00f6rung des gro\u00dfen Ziels. Der Yogi ist nicht mehr an dieser menschlichen Beziehung interessiert, sondern strebt die gro\u00dfe Beziehung, die Unio Mystica mit Gott an. In den h\u00f6heren Stufen des Yoga ist es zudem \u00e4u\u00dferst wichtig, ein absolut ruhiges, stabiles Nervensystem zu haben. Die Sexualkraft ist eine starke Energie, die sich der Yogi erhalten will.<\/p>\n<p>Aparigraha ist das Fehlen der Habsucht. Die Motivation hierf\u00fcr ist \u00a0das Wissen um die Verg\u00e4nglichkeit alles Materiellen.<\/p>\n<p>Diese f\u00fcnf Yamas darfst du nicht im Sinn von Geboten verstehen, die dem Yogi von au\u00dfen auferlegt sind. Vielmehr handelt es sich um Aspekte der Pers\u00f6nlichkeitsbildung, die zum Erreichen des gro\u00dfen Zieles n\u00f6tig sind. Jede kleinste Verfehlung zeigt sich sofort und bedeutet einen R\u00fcckschlag. Ein Yogi, der seine Sinne nicht unter Kontrolle hat und begehrliche Blicke auf das Haus des Nachbarn richtet, kann sein Denken nicht auf einen Punkt konzentrieren. Er muss viel Energie aufwenden, um dieses \u201dVergehen\u201d gegen das Prinzip Aparigraha wieder aus seinem Denken zu entfernen. Im Grunde ist es ein Training, dem sich jeder von uns auch unterwirft, wenn er ein Ziel, zum Beispiel das Bestehen einer Pr\u00fcfung, erreichen will. Nur ist hier \u00e4u\u00dferste Konsequenz erforderlich.<\/p>\n<p>Aus &#8222;Das Yogalehrbuch&#8220; Gerhard Pflug, Schirner Verlag 2004<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Yamas sind die Bez\u00e4hmungen. Ohne sie ist Yoga, wenn es richtig verstanden wird, und zwar in dem Sinn wie ich ihn oben beschrieben habe, nicht m\u00f6glich. Dir wird der Einschub im letzten Satz aufgefallen sein. Zugegebenerma\u00dfen kann man eine Art Yoga betreiben, ohne sich mit den Yamas zu besch\u00e4ftigen, denn die K\u00f6rpertechniken bewirken auch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/09\/09\/die-yamas\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Yamas\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die Yamas - Yoga Life Gerhard Pflug","description":"Die Yamas sind die Bez\u00e4hmungen. Ohne sie ist Yoga, wenn es richtig verstanden wird, und zwar in dem Sinn wie ich ihn oben beschrieben habe, nicht m\u00f6glich. Dir w"},"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1233","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kategorie-3"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1233"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1240,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233\/revisions\/1240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1233"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1233"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}