{"id":1154,"date":"2018-07-06T18:23:34","date_gmt":"2018-07-06T16:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=1154"},"modified":"2018-07-06T18:25:47","modified_gmt":"2018-07-06T16:25:47","slug":"wo-ein-wille-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/07\/06\/wo-ein-wille-ist\/","title":{"rendered":"Wo ein Wille ist&#8230;.."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1156\" aria-describedby=\"caption-attachment-1156\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1156\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152254-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152254-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152254-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1156\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1157\" aria-describedby=\"caption-attachment-1157\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1157\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152312-300x295.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152312-300x295.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152312-768x756.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_20180704_152312-1024x1008.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1157\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<p>K\u00fcrzlich las ich ein Buch, in dem ein Mann, der acht Jahre keinen Alkohol getrunken hatte, nach einem Schicksalsschlag abst\u00fcrzte, und zwar nicht auf der Ebene von ein paar Bieren, sondern von ein paar Flaschen Schnaps. Nat\u00fcrlich war ihm vollkommen bewusst, dass er das Falsche tat. Trotz aller Gegenwehr nahmen die Dinge ihren Lauf. Nach der \u00fcber Jahre vermissten Erquickung folgte das unvermeidliche Schuldgef\u00fchl, versagt zu haben und der Katzenjammer.<!--more--><\/p>\n<p>Wir, in unserer christlich &#8211; abendl\u00e4ndischen Kultur, sind der Ansicht, einen freien Willen zu haben. Unsere Religion lehrt uns, dass Gott uns immer die Entscheidung einr\u00e4umt, ob wir den dunklen oder den hellen Pfad gehen wollen.<\/p>\n<p>Andererseits lesen wir bei Lukas in Kapitel 12,7 : \u201eAber auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gez\u00e4hlt. Darum f\u00fcrchtet euch nicht; ihr seid besser denn viele Sperlinge.\u201c Dieser Satz impliziert, dass ohne Gottes Wille auch Haarwuchsmittel nichts n\u00fctzen \u2013 wenn er es denn nicht will.<\/p>\n<p>Ein sehr guter Freund versucht seit einem halben Jahrhundert vom Rauchen loszukommen \u2013 ohne Erfolg. Ein willenloser Schw\u00e4chling? Eher nicht. Wenn ich mir seinen Lebenslauf anschaue, so sehe ich, dass er in etlichen Daseinsfeldern respektable Leistungen hervorbringt, die ohne erhebliche Willensleistungen nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wir am\u00fcsieren uns gerne \u00fcber den folgenden Witz: \u201eWie bringst du Gott zum Lachen? Indem du ihm von deinen Pl\u00e4nen erz\u00e4hlst.\u201c<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns dar\u00fcber klar sein, dass Religionen und Philosophien Erkl\u00e4rungsversuche der Dinge sind, wie sie sind.<\/p>\n<p>Im Christentum und im Islam wird die Allm\u00e4chtigkeit Gottes postuliert. Im Koran hei\u00dft es: \u201eKein Ungl\u00fcck trifft ein, weder im Land noch bei euch selbst, ohne dass es in einer Schrift w\u00e4re, noch ehe wir es erschaffen. Dies ist Allah ein Leichtes.\u201c<\/p>\n<p>Im 33. Psalm hei\u00dft es: \u201e Wenn er spricht, so geschieht es; wenn er gebietet, steht\u2018s da.\u201c Oder: \u201eWenn er will, dann steht die Sonne still.\u201c<\/p>\n<p>Im Osten haben wir den Begriff Karma, welches besagt, dass wir f\u00fcr die Art und Weise unseres Daseins, wie z.B. den Ort, an dem wir leben oder in welcher Position wir uns befinden, selbst verantwortlich sind. Unser fr\u00fcheres Verhalten, und hier kommt auch die Reinkarnation ins Spiel, denn es geht ebenso um Taten aus fr\u00fcheren Leben, bestimmt unser jetziges.<\/p>\n<p>Das ist eine klare Aussage. Die \u201eW\u00fcstenreligionen\u201c Christentum und Islam tun sich da schwerer, denn wenn Gott allm\u00e4chtig ist, dann ist er auch f\u00fcr alles Ungl\u00fcck dieser Welt verantwortlich. Das geht aber nicht, denn er ist ja ein liebender Gott, der sogar seinen Sohn geopfert hat, um uns, seine lieben Kinder zu retten. Um diesem Dilemma zu entgehen, finden wir Begriffe, wie \u201epartielle Willensentscheidung\u201c. Wir erfahren, dass Gott uns leiden l\u00e4sst, um uns bestimmte Erfahrungen zu vermitteln. Wir werden auch nur soweit belastet, wie wir es ertragen k\u00f6nnen. Usw.<\/p>\n<p>Ich kann mir nicht helfen, aber das ganze Gerede mutet wie ein Eiertanz an, nur um eine klare Ansage zu vermeiden. Ich bin ziemlich skeptisch, was unseren freien Willen anbelangt. Sicher, ich kann jetzt entscheiden, ob ich mich an den Computer setze und diesen Artikel schreibe oder ob ich spazieren gehe. Wenn mich allerdings eine schicksalhafte Botschaft erreichen w\u00fcrde, an der ich zu knabbern h\u00e4tte, dann bin ich nicht sicher, ob ich Herr meiner Re- (Aktionen) w\u00e4re. Das hei\u00dft, ob ich erwachsen, meinen jetzigen Erfahrungen gem\u00e4\u00df reagieren w\u00fcrde oder ob alte Strukturen und \u00c4ngste aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten das Ruder ergreifen w\u00fcrden, ob ich wollte oder nicht.<\/p>\n<p>Das Dasein muss gelebt werden, wie auch immer. J.J Cale, einer meiner Lieblingss\u00e4nger, hat einen Titel namens \u201eCarry on\u201c( Mach weiter). Hugh Laurie singt: \u201eEveryone must play the game.\u201c<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, dass keiner aus seiner Haut kann. Wenn wir uns selbst und die Menschen unserer Umgebung ansehen, so nehmen wir wahr, dass bestimmte Charakterz\u00fcge vorhanden sind, die sich nicht \u00e4ndern, auch wenn es noch so sehr gewollt ist. Denken wir nur an den Ausspruch: \u201eSei doch ein bisschen spontaner.\u201c<\/p>\n<p>Dies betrifft auch anderes, wie zum Beispiel die \u00e4u\u00dfere Erscheinung. Ein Mensch, der die Kriterien erf\u00fcllt, nach denen wir heutzutage jemanden als attraktiv definieren, wird andere Erfahrungen machen als einer, den die Natur (eigentlich m\u00fcssten wir hier Gott sagen) nicht so gesegnet (!) hat. In beiden F\u00e4llen werden die unterschiedlichen Erfahrungen Verhaltensweisen hervorbringen, die willentlich nicht einfach zu ver\u00e4ndern sind.<\/p>\n<p>Fr\u00fchkindliche Erfahrungen halten sich ein ganzes Leben lang und bestimmen das Verhalten. Hier werden Strukturen angelegt, mit denen man als Kind sein Leben bew\u00e4ltigen konnte. Als Erwachsener k\u00f6nnte und sollte man sie ver\u00e4ndern, aber dies ist nur partiell m\u00f6glich. Ein Beispiel: Kleine Kinder sind machtlos und vollkommen vom Wohlwollen und der Liebe der Eltern abh\u00e4ngig. Haben die Eltern gute Lebenserfahrungen gemacht, so ist es wahrscheinlicher, dass sie eher auf die Bed\u00fcrfnisse des Kindes eingehen k\u00f6nnen als wenn dies nicht so w\u00e4re. In jedem Fall wird das Kind trotzdem auch Erfahrungen des Schmerzes, des Alleinseins usw. erleben. In solchen Situationen mag es die Erfahrung machen, dass S\u00fc\u00dfes den Schmerz vermindert. Auf psychologisch hei\u00dft das, es f\u00fchrt sich orale Befriedigung zu. Sp\u00e4ter werden dann Zigaretten daraus oder es bleibt bei Schokolade. Der Erwachsene h\u00e4tte andere Mechanismen zur Verf\u00fcgung, um mit schwierigen Lebenserfahrungen umzugehen. Aber &#8211; die S\u00fc\u00dfigkeiten, die Zigaretten und der Wein existieren im Unterbewussten weiter und k\u00f6nnen jederzeit virulent werden, obwohl der Wille Nein sagt.<\/p>\n<p>Im Grunde ist die Frage nach dem freien Willen akademisch, da das Leben gelebt werden muss wie es kommt.<\/p>\n<p>In die heutigen Streiflichter habe ich den folgenden Spruch eingestellt, der die Situation einschlie\u00dflich L\u00f6sung gut umschreibt.<\/p>\n<p>Zen-Meister Bokaju wurde einst von einem M\u00f6nch gefragt: \u201eWir m\u00fcssen uns jeden Tag anziehen und essen, wie k\u00f6nnen wir von all dem loskommen?\u201c Bokaju antwortete: \u201eWir ziehen uns an, wir essen.\u201c Der M\u00f6nch sagte: \u201eDas verstehe ich nicht.\u201c Da sagte Bokaju: \u201eWenn du es nicht verstehst, zieh deine Kleider an und iss deine Mahlzeiten.\u201c<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: \u201eMach, was anliegt, verurteile dich nicht und sieh nicht zur\u00fcck\u201c. Es ist wie mit der Bergpredigt. Sie wissen schon, die mit den sch\u00f6nen S\u00e4tzen wie: \u201eHalte die andere Backe auch hin\u201c und \u201eWenn dir einer das Hemd nehmen will, so lass ihm auch den Mantel\u201c usw. Ohne einen ethischen \u00dcberbau geht es nicht. Wir brauchen Leuchtt\u00fcrme, denen wir folgen k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, es geht um st\u00e4ndiges Bem\u00fchen. Im Yoga nennen wir das Abhyasa. Ob wir die hehren Ziele erreichen, werden wir sehen.<\/p>\n<p>Ob es jetzt Gottes Wille ist, dass wir auf die Nase fallen oder ob wir uns das selbst zuzuschreiben haben, weil wir schlechtes Karma aufarbeiten m\u00fcssen, Tatsache ist, dass wir wieder aufstehen sollten, oder?<\/p>\n<p>Als M\u00f6nche den Buddha \u00fcberreden wollten, \u00fcber die letzten Wirklichkeiten zu sprechen, weigerte er sich mit \u00e4hnlichen Worten wie Zen-Meister Bokaju im obigen Zitat, indem er die Fragenden auf das Naheliegende hinwies.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich las ich ein Buch, in dem ein Mann, der acht Jahre keinen Alkohol getrunken hatte, nach einem Schicksalsschlag abst\u00fcrzte, und zwar nicht auf der Ebene von ein paar Bieren, sondern von ein paar Flaschen Schnaps. Nat\u00fcrlich war ihm vollkommen bewusst, dass er das Falsche tat. Trotz aller Gegenwehr nahmen die Dinge ihren Lauf. 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