The long and winding road……

… hieß ein Song der Beatles, ich glaube er war auf der LP Rubbersoul. Paul McCartney beklagt sich darin bei seiner Geliebten, dass er nach langen Wegen immer wieder an ihrer Türe steht und sie – lässt ihn stehen.

Auch unser Leben ist eine gewundene Straße. Wir gehen selten die Direttissima. Aber sind das dann Umwege, die wir gehen? Gibt es eigentlich Umwege oder sind das alles notwendige Pfade, die wir gehen müssen?

Wenn wir uns so anschauen, dann haben wir als Menschen schon ein beträchtliches Maß an Beharrungsvermögen. Wir wissen in vielen Fällen, was wir tun und wie wir uns verhalten sollten. Aber unsere inneren Muster hindern uns, neue Wege zu gehen. Ich habe darüber in den Artikeln „Yoga und Psychotherapie“ ausführlich geschrieben.

In der Regel ändern wir uns nur, wenn wir müssen. Im Grunde ist das intelligentes Handeln, denn wenn wir mit bestimmten Mechanismen und Verhaltensweisen das erreichen, das wir wollen, ist es vernünftig, dabei zu bleiben. Never change a winning horse!

Diese Verhaltensweisen mögen für Außenstehende seltsam und vielleicht auch unvernünftig sein, aber: „Was gehen mich andere an?“.

Die am besten erprobten Überlebensmechanismen sind aus der frühen Kindheit. Zum Beispiel: „Erst mal abwarten, bis sich der Sturm gelegt hat, sich zurückziehen und sich ruhig verhalten. Alles andere wäre viel zu gefährlich.“

Irgendwann wird dieses Muster nicht mehr funktionieren, nämlich dann, wenn aktives Handeln nötig wäre.

Auch gesundheitsschädliches Verhalten wäre hier zu nennen. Warum soll einer nicht rauchen oder trinken oder einen Joint rauchen, wenn es ihm damit besser geht? Auch hier wird eines Tages der Punkt kommen, wo das nicht mehr wirkt oder, noch wahrscheinlicher, die Gesundheit auf dem Spiel steht.

Jetzt geht der Kampf ernstlich los, und es ist ein Kampf. Zunächst werden wir alle möglichen Tricks ausprobieren, ob wir das Neue bekommen, ohne das Alte zu lassen. Zum Beispiel nur fünf Zigaretten zu rauchen, anstatt eine Packung. Das mag ein bisschen funktionieren, aber nicht wirklich. Diese Versuche, mit einem bisschen Veränderung auf eine wünschenswertere Verhaltensebene zu kommen, können sehr lange gehen. Manchmal Jahrzehnte. Es kann sich dabei sogar herauskristallisieren, dass es sich um die Lebensarbeit handelt, die uns aufgegeben ist.

Es kann sogar sein, dass ein uns im Lauf der Jahre immer verhassteres Verhalten letztlich die Triebfeder ist, immer wieder neue Dinge auszuprobieren.

Ich hatte vor Jahrzehnten eine sehr schwierige berufliche Situation zu bewältigen. Ich habe das nicht geschafft und mein Arbeitgeber und ich haben uns „in beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt. Ich erlebte das als ein Versagen auf der ganzen Linie und das war es auch. Ich habe es deswegen nicht geschafft, weil ich zu sehr in Kindheitsstrukturen festsaß. Sie wurden mir mit diesem Ereignis das erste Mal bewusst und ich war machtlos dagegen.

Ich verkroch mich in mich selbst und wusste nicht, wie ich da herauskommen sollte. Dann ging ich eines Tages an einer kleinen Buchhandlung vorbei und sah ein Buch über Meditation. Dieser Moment war bestimmend für meinen ganzen zukünftigen Lebensverlauf.

Auslöser war die berufliche Katastrophe. Ich wäre nie nach Indien geflogen oder hätte mich mit Psychotherapie befasst, wenn alles glatt gegangen wäre.

Nun ist dies gewissermaßen ein Supergau gewesen. Wenn wir bewusster hinsehen, werden wir feststellen, dass wir Tag für Tag kleinere Hinweise und Stolpersteine angeboten bekommen, die uns in die richtige Richtung verweisen, wenn wir sie denn sehen wollen.

Durch die relativ kurze Spanne unseres Lebens haben wir es eilig. Wir wollen schnelle Lösungen. Aber – das funktioniert so nicht. Steter Tropfen höhlt den Stein!

Irgendwann werden wir zu der Einsicht kommen, dass alle Erfahrungen und Erlebnisse ihre Berechtigung hatten.

Nichts war umsonst!

Der Held Arjuna fragte auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra seinen Wagenlenker Krishna: „Sage mir, oh Allwissender, wenn ein Yogi von der Lehre abfällt und stirbt, war dann all sein vorheriges Bemühen umsonst?“ Die Antwort lautete: „Nein, oh mächtiger Held, nichts war umsonst. Im nächsten Leben wird es an genau dem Punkt weitergehen. Nichts war vergebens.“

Alles, aber auch wirklich alles, was wir erleben, dient dazu, bewusstseinsmäßig weiterzukommen. Je öfter wir in dieser Haltung sein können, desto leichter wird das Leben für uns sein.

Ein Zenschüler fragte seinen Meister: „Meister, ich esse und arbeite und schlafe und du isst und arbeitest und schläfst. Du bist erleuchtet und ich nicht. Aber du tust nichts anderes als ich. Was wird sich ändern, wenn ich auch einmal erleuchtet bin?“

Die Antwort: „Du isst und arbeitest und schläfst.“