Übungen

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Dem alten Reichskanzler Bismarck schreibt man den folgenden Ausspruch zu: „Wenn man eine Kohle aus dem Feuer nimmt und sie beiseite legt, dann wird sie früher oder später erlöschen. Genauso verhält es sich mit dem Glauben. Wenn man nicht in die Kirche geht und die Gemeinschaft erlebt, erkaltet der Glaube.“

Abstrakt gesprochen heißt das, wenn man sich nicht mit einer Sache beschäftigt, verblasst die Erinnerung daran.

Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die Leser dieser Seite einen spirituellen Weg eingeschlagen haben. Wir alle wissen, dass die Ablenkungen und Hindernisse des Täglichen vielfältig sind. Insofern sollten wir „im Feuer“ bleiben.

In den Yogakursen wurde oft über die Schwierigkeiten berichtet, das auch zu praktizieren. Da war der frühe Arbeitsbeginn, der einen davon abhielt zu üben. Das Essen für die Kinder nach der Schule musste gekocht werden usw.

Kurzum, zweimal in der Woche hat es geklappt, aber die restlichen fünf Tage leider nicht.

Was heißt üben?

Es heißt, sich mit irgendetwas daran zu erinnern, dass das Meer des Materiellen unendlich ist und man endlos darin treiben kann, ohne je irgendwo anzukommen.

Wenn man allerdings in dunkler Nacht auf dem Meer das Licht eines Leuchtturms hat, dann verliert man nie die Richtung. Sicher, manchmal sind die Wellen so hoch, dass man nicht bis zum Horizont schauen kann, aber wenn sich die See beruhigt hat, ist das Leuchtfeuer wieder zu sehen.

Wenn man Zeit und den Willen hat, dann ist es nicht von Schaden, wenn man meditiert und Asanas und Pranayamas macht.

Alleine das bloße Sitzen in Sukhasana reduziert den Puls und den Blutdruck, entspannt den Muskeltonus und beruhigt die Nerven. Die verschiedenen Asanas wirken heilsam auf bestimmte Körperpartien. Durch die Arbeit mit der Wirbelsäule wird zudem eine heilsame Wirkung auf die Nerven erreicht usw. Es würde hier zu weit führen, alle Wirkungen von Yoga-Asanas zu beschreiben.

Jedenfalls ergeben sich positive Wirkungen für Körper, Nerven und Psyche.

Für mich ist es das Wichtigste, mich immer wieder zu konditionieren, nicht in Gedanken des Zorns, der Aversion und des Gegeneinanders verloren zu gehen. Gelegenheit besteht während des Tages genug dazu. Wir sind ja immer geneigt, zu denken, wenn es an einem Tag nicht so gut läuft, wenn wir uns über etwas geärgert haben oder wenn wir jemanden zum Teufel gewünscht haben, dass das eine Ausnahme sei. Morgen wird es sicher besser.

Das ist ein Trugschluss. Dieses Auf und Ab ist das ganz reale Leben. Das verändert sich nie. Erinnern wir uns: Die materielle Welt oder die Welt der Gunas ist dazu da, uns Lernmöglichkeiten zu bieten, die zu geistigem Wachstum führen. Das heißt, wenn mich einer blöd anmacht, ist es leicht, auf der gleichen Ebene zurück zu bellen. Aber der Sinn des Geschehens liegt darin, mich zu fragen, was mir der Vorfall über mich und meinen Weg zu sagen hat. Alles Andere ist zweitrangig.

Diese Denkweise muss, wie auch immer, verinnerlicht werden.

Man könnte hier jetzt ein ganzes Buch darüber anhängen, wie man das machen sollte. Angefangen mit den Yamas und Niyamas und Tapas-Svadhyaya-Isvarapranidhana bis zu unzähligen anderen Techniken.

Wir machen alle immer wieder den Fehler, dass wir nur das Große und Spektakuläre sehen und erwarten. Ich möchte heute die Aufmerksamkeit auf das Kleine, Feine lenken.

Übung: Stelle dich in den Garten oder irgendwohin, wo es ruhig ist. Stehe ganz bewusst. Lege die Hände aneinander, wie zum Gebet. Strecke ganz langsam die Arme himmelwärts, atme dabei ein, mit dem Bewusstsein, dass du die Energie des ganzen Universums und des Göttlichen darin in dich aufnimmst. Lass‘ die Handflächen nach oben gehen, als wenn du etwas empfangen wolltest, nämlich die Schönheit des Daseins. Nimm mit all deinem Sein auf, was du empfindest und denke „Danke“.

Dies ist nur ein Vorschlag, der beliebig abwandelbar ist. Zum Beispiel kannst du auch einige ganz bewusste Schritte gehen. Wichtig bei allem ist, dass du durch bewusstes, unspektakuläres Handeln Kontakt mit dem Großen außerhalb deines kleinen Ichs aufnimmst.

Oft genügt eine kleine Handbewegung und ein bewusster Atemzug, um wieder in die richtige Richtung zu kommen. Ein Blick auf eine Blume, das Säuseln des Windes im Blattwerk einer Birke usw.

Wenn du mit jemandem spazieren gehst und ihr euch unterhaltet, bleib einfach ab und zu stehen und nimm deine Umgebung in dich auf. Die Wiesen, das Zwitschern der Vögel, den Wind usw.

Suche dir selbst solche „Erinnerungsrituale“. Deiner Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.