Pachamama

Vor ein paar Wochen machte die Katholische Kirche wieder einmal  von sich reden, indem sie gelobte (diesmal aber so richtig und porentief), dass der allgegenwärtige Kindesmissbrauch mitStumpf und Stil aus dem Schoß der heiligen Mutter Kirche ausgerissen werde und die Täter unbarmherzig bestraft werden.

Die Kanzlerin in spe, AKK ließ darauf hin verlauten, dass das alles oberflächliches Gesülze sei, solange Frauen nicht Priesterinnen werden könnten und das Zölibat nicht abgeschafft werde.

Recht hat sie!

Es gibt im Yoga den Begriff „Tantra“, über den viel Unsinn geschrieben wurde und der schwer zu definieren ist. Es geht dabei um die heilige Silbe OM, um die Techniken des Mandala, um die Chakren und um noch viel Mystisches und Geheimnisvolles, wie das sich Paaren auf nächtlichen Friedhöfen und Verbrennungsstätten.

Es geht, ganz einfach ausgedrückt um die Vereinigung der Gegensätze. Wir leben in einer Welt der Dualitäten. Wenn wir genau hinschauen, dann fehlt uns immer irgend ein Teil des Ganzen, um glücklich zu sein. Es muss somit unser Bestreben sein, in allem die Mitte zu finden.

Das zentrale Moment im Yoga ist Bewusstheit.

Alle Techniken, vor allem die Pranayamas, sollen uns helfen in jedem Augenblick in der Gegenwart zu sein.

In der Bhagavad Gita lesen wir, dass der Yogi nicht zu viel und nicht zu wenig arbeitet, ruht und isst. Von C.G. Jung kennen wir die Begriffe Anima und Animus (siehe Beitrag vom 27.9. 2018 in der Kategorie „Philosophisches“). Der ganze Mensch vereinigt im Idealfall seine männlichen und weiblichen Elemente auf ideale Weise. Frauen lieben den starken Helden, der den Wasserhahn repariert, aber auch zuhört und über seine Gefühle spricht und Männer lieben die anschmiegsame Geliebte, mit der man Pferde stehlen geht.

Angefangen hat alles auf dem heiligen Berg Kailash im Himalaya. Wie jeder weiß, ist er der Wohnsitz von Shiva und seiner Gemahlin Parvatti. Wie in jeder guten Ehe gibt es eine funktionierende Arbeitsteilung zwischen den beiden. Er ruht als reiner Geist, vollkommen von Anbeginn in ewiger Meditation in sich selbst, wenigstens solange er sich nicht entschließt, seine zerstörerische Form als Rudra einzunehmen. Da er vollkommen ist, hat er auch nicht die geringste Neigung, etwas zu erschaffen. Wozu auch? Ein Vollkommenes braucht kein Anderes. Da aber die Welt der Materie (Prakrti) nun mal existiert, muss sie ja doch irgendwie erschaffen worden sein. Lassen wir mal die Genesis außer acht und bleiben in Indien.

Shivas weibliche Seite, Shakti, ist umtriebig gewesen und hat nach und nach die Welt erschaffen. In einem Wirbel von Kreativität hat sie sich selbst von ihrem Ursprung entfernt,aber eine Erinnerung ist geblieben. Das ist das Sehnen nach dem Geistigen in uns, das die Materie, mithin uns antreibt, den „wahren Menschen – Purusa“ zu suchen.

Die ältesten kultischen Darstellungen in Höhlen sind Frauengestalten mit voluminösen Brüsten und breiten Hüften. Es hat immer Fruchtbarkeitsriten zu Ehren der „Großen Mutter“ gegeben. Bei den Quechua und Aymara Perus ist Pachamama oder Mutter Welt, Mutter Kosmos noch sehr gegenwärtig. Sie ist die Erdmutter, die Leben schenkt, nährt und schützt. Bei den Griechen kannte man Gaia, die alles Lebende hervorbringt und nach dem Tod wieder in sich aufnimmt.

Im Tantra will sich das Weibliche und das Männliche zu einem Vollkommenen vereinigen. Die Bibel spricht vom Geschlechtsakt als „ein Fleisch werden“. Das ist etwas sehr Physisches. In Indien verehrt der Mann seine Frau als Shakti und sie ihn als Shiva.

Nun ist der tantrische Pfad nicht einfach ein miteinander Schlafen. Vielmehr vollzieht der Yogi den Geschlechtsakt in höchster Konzentration. Er ergibt sich nicht seiner Lust, sondern bleibt auf der Shiva- Shakti- Ebene. Es findet auch kein Samenerguss statt oder der Samen wird wieder „aufgesogen“, wie es in den Hatha- Yogatexten heißt. Auch wenn in den Skripten zu lesen ist, dass die Tantriker sich mit Wein, Fleisch und Weib verlustieren, so ist das so zu verstehen, dass Gott überall zu finden ist, also auch im Nichtasketischen. Man kann sich leicht vorstellen, dass es sich hierbei um die schwierigste Form des Yoga handelt.

Wir sehen aber, dass das weibliche Element untrennbar zur Ganzheit des Seins gehört oder wie es in der Czardasfürstin heißt: „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht…“.

Während meiner Yogaausbildung am Institut in Bombay führte ich ein mönchisches Leben. Dazu gehörte die tägliche Beschäftigung mit Geistigem, ein fester Rhythmus, Meditation, wenige äußere Reize und sattvisches Essen. Nahrung also, die nicht „heiß macht“. Nichts scharf Gewürztes, natürlich kein Fleisch, Alkohol, wenig Protein und kein Kaffee oder schwarzer Tee. Die Sinne sollten ruhig gestellt werden und die Nerven nicht „agitated“.

Wie soll der durchschnittliche katholische Priester mit seiner durchschnittlichen Kost aus Schweinebraten und ein Bier dazu (das ist jetzt nicht negativ gemeint) zölibatär leben? Das geht rein physiologisch nicht.

Ein Kult wie die Katholische Kirche, der die Frauen so ausschließt, kann Missbrauch nicht verhindern. Man hat das zwar durch die Marienverehrung versucht auszugleichen, aber sie ist die Mutter Jesu. In der Bibel spielt sie keine Rolle. Eine Frau gesteht man ihm nicht zu. Die Rolle der Magdalena ist dubios. Sexualität ist im wahrsten Sinne Vereinigung, also Einheit. Wie kannEinheit entstehen, wenn Priester sie fürchten wie der Teufel das Weihwasser?

P.S. Es gab unter den Tantrikas etliche Frauen. Der bekannte indische Heilige Paramahansa Ramakrishna wurde von einer Yogini initiiert.