Ihr braucht bloß wollen

Wohl kein Begriff in der Pädagogik wurde so gründlich missverstanden wie das Wort „antiautoritär“.

Korrekt sollte es „nicht autoritär“ heißen. Das eigentliche Problem aber ist, dass man gemeinhin autoritär mit Autorität verwechselt. Eine Erziehung ohne Autorität ist unmöglich, sie sollte aber nicht mit einem autoritären Stil verwechselt werden. Als einen der wirkungsvollsten Mechanismen in der Erziehung sehe ich das Imitationslernen. Wir erküren uns ein Vorbild und wollen so werden wie er oder sie. Dieser Prozess wiederholt sich zeit unseres Lebens. Im Zuge dessen eignen wir uns Gedanken und Eigenschaften, die wir schätzen, an und integrieren sie in unser Selbstbild.

Der Gründer der Schule Summerhill in England, A.S. Neil war eine Autorität. Er vertrat die Meinung, dass man Menschen ihren eigenen Weg in ihrem eigenen Tempo gehen lassen sollte. Das bedeutete aber nicht, dass jeder machen konnte, was er wollte. Es gab klare, von Schülern und Lehrern beschlossene Regeln und das war das Wichtige an diesem Erziehungsstil. Die Einhaltung dieser Regeln wurde eisern durchgesetzt und zwar auch wieder von allen.

Wenn ein Schüler für sich entschied, dass er an Mathe nicht teilnehmen wollte, so konnte er das tun, aber er durfte andere dabei nicht stören.

Die Erfahrung zeigte, dass er früher oder später mitmachte, weil er merkte, dass die anderen ihm etwas voraus hatten.

Der Rektor einer Schule in Külsheim handhabt das anders. Im Zuge des allgemeinen Hypes zur Rettung des Weltklimas entschied er über die Köpfe von Lehrern und Schülern hinweg, dass ab jetzt nur noch Vegetarisches in der Mensa angeboten wird, denn Rinder, Schweine, Hähnchen usw. produzieren jede Menge Treibhausgase und die sind schlecht für das Klima. Die Belegschaft seiner Schule tut das auch, insofern hat sie Glück, dass sie von der Maßnahme verschont geblieben ist.

So eine Handlungsweise hat man früher als Schwarze Pädagogik bezeichnet. Autoritär und übergestülpt. Heute beobachten wir diesen Stil zunehmend in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Eine selbsternannte Elite entscheidet, was gut für die Menschen ist und versucht das auch durchzusetzen. Wenn man aufmerksam die Nachrichtensendungen des Staatsfernsehens und der Mainstreammedien ansieht, so stellt man fest, dass nicht mehr klar zwischen Berichterstattung und Kommentar unterschieden wird. Fast alle vertreten die gleiche Meinung zu den Problemen der Zeit.

Nehmen wir den allgegenwärtigen Brexit. Das Volk des U.K. hat in freier und geheimer Abstimmung entschieden, dass es die EU verlassen will. Seitdem ringt das britische Parlament und seine Premierministerin um eine Lösung für die anstehenden Entscheidungen. Da wird richtig kontrovers diskutiert, da fliegen die Fetzen. Wenn in Deutschland die Kanzlerin etwas in ihrem Küchenkabinett entscheidet, dann nickt das Parlament das ab, ohne Diskussion. Bei uns gibt es einen Zwang zum Konsens. Kontrovers ist schädlich. Dabei ist es gerade umgekehrt. Wenn eine Regierungschefin sagt, „das ist ohne Alternative“, dann ist das der Tod der Demokratie. Es gibt immer Alternativen.

Was lesen wir jeden Tag unisono über die gelebte Demokratie in Großbritannien? Kasperletheater, Komödie, usw… Es ist völlig egal, welche Zeitung man aufschlägt.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht mit der EU beschäftigen, nur so viel: die EU ist ein freiwilliger Zusammenschluss unabhängiger Staaten und wenn einer dieser Staaten den Verein verlassen will, so obliegt es nicht den anderen, ihn zu bestrafen, vielmehr ist diese Entscheidung zu respektieren.

Nur Sekten bestrafen ihre abtrünnigen Mitglieder.

Gerade uns Deutschen sollte aus der Vergangenheit klar sein, wohin autoritär aufgezwungene Entscheidungen führen. Leider scheinen wir gerade langsam die Sensibilität für demokratische Prozesse zu verlieren.

Wer die propagierten Ziele des herrschenden Mainstreams nicht mitträgt, findet sich ganz schnell im Abseits.

Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Zwang. Alles schon mal da gewesen, gerade bei uns.