Weltentanz

Das, was wir um uns wahrnehmen, nennen wir im Sanskrit Prakrti oder auch Materie. Sie ist das, was wir als Schöpfung erleben.

Sie ist in ständiger Bewegung, in immerwährendem Werden und Vergehen. In der indischen Mythologie ist dies sehr schön dargestellt in der Gestalt des Shiva Nataraja, des tanzenden Shiva. Er repäsentiert den göttlichen Aspekt des Vergehens und Neuentstehens. Als Nataraja durchtanzt er die Schöpfung, zerstört und erschafft fortwährend neu und bleibt selbst, ein ewiges Lächeln auf den Lippen, unberührt davon. Er symbolisiert den Geist (Purusha), ewig, in sich selbst ruhend. Seine weibliche, tanzende Seite, Shakti, ist vergleichbar mit Prakrti. Sie ist in immerwährender Bewegung, dem Tanz des Erschaffens und Sterbens. In diesem Bild ergänzen sich das männliche und weibliche Moment.

Wie auch im Tanz ähnelt kein Augenblick dem anderen. Alles ist in ständiger Bewegung, verändert sich, wiederholt sich, vergeht und entsteht.

Dieser Tanz der Gunas fasziniert uns ( siehe „Es liegen drei glänzende Kugeln…“, 6. August 2017, Kategorie Yoga) und wir nehmen mit Begeisterung daran teil.

Wir sollten uns fragen, ob sich das lohnt. Dem Rabbi Ben Akiba schreibt man die Worte zu: „Es ist alles schon da gewesen.“ Schauen wir doch ein bisschen zurück. Wo haben wir als Menschheit insgesamt oder als Individuum nicht schon überall „mitgespielt“?

Willi Brandt tritt zurück. O weh, die Demokratie geht zugrunde. Elvis has left the building. Der King ist tot. Was soll aus uns werden? Die Beatles haben sich getrennt. Das Ende ist nahe. Donald Trump trifft sich mit Kim. Absoluter Murx, schlecht für die Welt, wertet den Kerl nur auf. Obama traf sich mit niemandem. Friedensnobelpreisträger! Sarah Lombardi zeigt ihren Popo auf der Oceanpromenade in Dubai. Was wird Pietro dazu sagen oder auch, was will sie uns damit mitteilen? War Melanias Kleid durchsichtig oder nicht? Warum reden alle immer über die Kleider der Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen und nicht über die der Männer? Ist das jetzt sexistische Diskriminierung? Oder – vielleicht interessierts einfach keinen, was Männer anhaben? Die Völker des Nordens haben während der Völkerwanderung Italien überrannt. Wo sind sie geblieben? Im 30jährigen Krieg starben 30 – 40% der Bevölkerung. In Thüringen gar bis zu 70%. In Magdeburg starben alle. Vorbei! Gone with the wind! In Bayern wird die AfD 2018 in den Landtag kommen. O weh, die Demokratie geht zugrunde. Das hatten wir doch schon mal? Der hat mir die Vorfahrt genommen. Wo hat der denn seinen Führerschein geklaut?

Nun sitze ich hier entspannt und gelassen an meinem PC, während ich das schreibe, gegenüber das Grün des Waldes. Mit anderen Worten, mir geht es gut und ich bin von alldem nicht betroffen.

Was aber, wenn das anders wäre? Wie würde es dann mit der Gelassenheit aussehen? Der Psychotherapeut Carl Rogers sagte, dass unsere Gedanken umso gefühlsbesetzter seien, je betroffener wir von einem Geschehen seien. Es klingt hart, aber es lässt mich relativ kalt, wenn in Thailand Leute in einer Höhle eingeschlossen sind, nicht jedoch, wenn mein Enkel krank ist.

Vairagya oder nicht Anhaften ist ein hohes Ziel im Yoga. Einfach loslassen! Ich denke, dass das in Gänze erst gelingt, wenn ein Individuum im Samadhi die Welt der Materie transzendiert hat. Uns anderen bleibt nur das konstante Üben (Abhyasa).

Übung: Wenn uns negative Gedanken belasten, sollten wir eine ruhige Umgebung, zum Beispiel in der Natur, aufsuchen. Es kann hilfreich sein, sich dann auf das Unmittelbare zu konzentrieren: Auf den Gesang der Vögel, den Wind auf unserer Haut, den Duft des gemähten Grases usw.

Und wir sollten uns klarmachen, dass das, was in unseren Gedanken vorgeht und das, was uns belastet, nicht hier ist. Es ist in der Vergangenheit oder in der Zukunft.